World Wild Web?

Markus Luthe / 14.03 2013

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Blog von Markus Luthe zur Distribution vom 14. März 2013

Bereits im Oktober letzten Jahres habe ich mit meinem Blog über die neuen generischen Top-Level-Domains (gTLD) berichtet, die seitens der Internetadressverwaltung ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) von 2013/2014 an zugelassen werden. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei natürlich den neuen Domainerweiterung „.hotel(s)“. Hier droht massiver Schaden für die Hotellerie weltweit, wenn z.B. ein Online-Buchungsportal wie Booking.com zum Betreiber dieses Domain-Namensraumes im Internet bestimmt würde.
 

Da gestern die Frist für formale Einsprüche gegen Bewerber bei der in Paris ansässigen Internationalen Handelskammer (ICC) abgelaufen ist, möchte ich Ihnen ein Update des Sachstandes geben.
 



Es sind bekanntlich Bewerbungen für insgesamt vier Zeichenfolgen neuer gTLD mit einem engen Bezug zur Hotellerie eingegangen: „.hotel“, „.hotels“, „.hoteles“ (Spanisch für Hotels) und „.hoteis“ (Portugiesisch für Hotels). Sieben Bewerber kämpfen um „.hotel” und zusätzlich je einer um „.hotels” (Booking.com), „.hoteles” (Despegar) und „.hoteis” (Despegar). Die Bewerber um die drei Letzteren sind allesamt Online Travel Agents (OTA), namentlich die Priceline-Tochter Booking.com und der in Montevideo (Uruguay) ansässige Anbieter Despegar, der sich zusätzlich auch unter den sieben Bewerbern für „.hotel” befindet.
 

Unter den insgesamt zehn Bewerbern für „.hotel“, „.hotels“, „.hoteles“ und „.hoteis“ befindet sich nur ein einziger, der die Unterstützung der weltweiten Hotelgemeinschaft erhält: Die in Luxemburg ansässige HOTEL Top-Level-Domain S.à.r.l., die bereits seit 2009 auch Preferred Partner des Hotelverbandes Deutschland (IHA) ist. Diese Bewerbung wird neben vielen weiteren Hotelverbänden unter anderem von der International & Restaurant Association (IH&RA), der American Hotel & Lodging Association (AH&LA), der China Hotel Association (CHA) und HOTREC – Hotels, Restaurants & Cafés in Europe unterstützt. Die Hotelverbände stehen weltweit in engem Kontakt mit diesem Bewerber und legen die Bedingungen und Verfahrensweisen zur zukünftigen Vergabe der zukünftigen „.hotel“-Domain auf Augenhöhe im Rahmen der Möglichkeiten gemeinsam fest. Folgerichtig hat auch nur die HOTEL Top-Level-Domain S.à.r.l. eine sogenannte „community-based application“ bei ICANN eingereicht.
 

Bezeichnenderweise hat bis zum heutigen Tag kein einziger der anderen sechs Bewerber für „.hotel“ auch nur Kontakt mit einem Interessenvertreter der Hotellerie aufgenommen. Diese Bewerber haben entweder „geschlossene” (1) oder „offene” (5) Geschäftsmodelle. Despegar beabsichtigt die Domain „.hotel” ebenso „geschlossen” nach eigenem Gutdünken zu betreiben, wie Booking.com die Domain „.hotels”. Dies würde zweifellos jedwede Diskriminierung zugunsten ihrer Exklusiv-Kunden ermöglichen. Die „offenen“ Bewerbungen erlauben jeder interessierten Partei Domain-Registrierungen, egal ob es sich dabei um Hotels, um OTAs oder um sonstige Dritte handelt, die in das Hotelvermarktungsgeschäft drängen. Nur die von uns favorisierte, gemeinschaftsbasierte Bewerbung von HOTEL Top-Level-Domain S.à.r.l. sieht ausschließlich für Hotels, Hotelgesellschaften und Hotelverbände die Registrierung von Domainnamen unter der Endung „.hotel“ vor.
 

Wie ist der gegenwärtige Prozess-Stand?
 

Am 27. Februar hat ICANN völlig überraschend entschieden, dass sich aus den vier Hotel-Zeichenfolgen für neue gTLD nur „.hoteis“ und „.hotels“ ähnelten... Als Konsequenz daraus sieht sich die Hotellerie nicht nur mit einer neuen gTLD „.hotel” konfrontiert, sondern gleich mit weiteren „Drei Gleichen“, was den Nutzer nur verwirren kann. Jetzt muss formal zusätzlich ein kostenintensiver Einspruch bei ICANN wegen “Verwirrender Zeichensätze” eingelegt werden.
 

Noch schlimmer: Unser europäischer Dachverband HOTREC hatte formale Einsprüche gegen die vier „geschlossenen“ Bewerbungen einzulegen, um den wahrscheinlichen Missbrauch und massiven Schaden für die Hotellerie zu verhindern. Wir konnten nicht sehenden Auges zulassen, dass sich die OTAs zum Schrankenwärter unseres wichtigsten Distributionskanals, des Internets, aufschwingen. Folglich sah sich HOTREC gezwungen, einen sechsstelligen Euro-Betrag für das ICC-Beschwerdeverfahren allein gegen diese vier „geschlossenen“ Bewerbungen aufzubringen. Und das alles nur für den einzigen Zweck, „unseren“ generischen Branchennamen gegen Unfriendly Take-overs durch Intermediäre zu verteidigen…
 

Und überhaupt: Warum wird der Favorit der Hotellerie, die einzige gemeinschaftsbasierte Bewerbung für „.hotel“, eigentlich nicht per se durch die ICANN Verfahrensvorschriften geschützt? Warum ist die vorgesehene Evaluierungsphase für solche Gemeinschaftsbewerbungen allen anderen Konfliktlösungsmechanismen nachgelagert und nicht am Anfang platziert? Honi soit qui mal y pense? Ich erachte das entweder als einen Fehler oder eine Frechheit!
 

Die ICANN-Konferenz vom 8. – 12. April in Beijing (China) ist nun das nächste Großereignis, auf das sich unsere Aufmerksamkeit richten muss. Dort wird das Beratergremium der Regierungen, das Government Advisory Committee (GAC), im Konsens zu entscheiden haben, ob seitens der Regierungen Bedenken oder Einsprüche gegen eine der neuen gTLD-Anwendungen erhoben werden. Nach den bereits formal ausgesprochenen „Early Warnings” Australiens, Frankreichs und Deutschlands sind wir hier bedingt zuversichtlich.
 


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Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

luthe@hotellerie.de
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