Willkomen am Freitag, den 13.!

Markus Luthe / 13.08 2010

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Blogpost von Markus Luthe über Aberglauben in der Hotellerie

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Für knapp ein Drittel der Deutschen gilt ein Freitag, der 13. als Unglückstag. Kein Wunder, dass sich auch die Hotellerie seit Jahrzehnten hierauf eingestellt hat und eine auf eine 13 endende Zimmernummer eher selten anzutreffen ist. Angeregt durch eine diesbezügliche Recherche einer Redaktion haben wir die IHA-Mitglieder befragt, ob Freitag der 13. heutzutage Auswirkungen auf das Buchungsverhalten von Hotelgästen hat?

Das eindeutige Ergebnis lautet: Nein! Die klarste Ansage erhielten wir vom Hotel Pullman Dresden Newa: "Es gibt eine 13. Etage und in jeder Etage das Zimmer ..13. Es ist nicht festellbar, dass diese Zimmer schwächer belegt würden. Ein Freitag, der 13. ist stets komplett unauffällig."

Wenn sich die Buchungsnachfrage an einem Freitag, den 13. verändert, dann eher nach oben als nach unten, was aber mehr mit dem Freitag als mit der Kalenderzahl zusammenhängt. So registriert beispielsweise das Ringhotel Giffels Goldener Anker in Bad Neuenahr aufgrund des Kurzreiseziels Ahrtal an Freitagen grundsätzlich eine anziehende Buchungslage. Ein wenig anders sieht die Situation im Gastronomiebereich aus, wo bei kleineren Feiern die Gästezahl schon mal auf- oder abgerundet wird, um die 13 als Gästeanzahl zu vermeiden. Andererseits wird aber auch gerade Freitag, der 13. für Feiern wiederum besonders gebucht, weil er vielen auch als Glückstag gilt. Im Romantik Hotel Schmiedegasthaus Gehrke in Bad Nenndorf ist jedenfalls für Hochzeitsgesellschaften Freitag, der 13. Mai 2011, bereits jetzt schon ausgebucht.

Die Symbolik um den 13. Gast an der Tafel führt übrigens auch auf den Kern dieses Aberglaubens zurück, der aber erst im 20. Jahrhundert zu einem Phänomen wurde: Beim Letzten Abendmahl saßen 13 Menschen am Tisch - der 13. war Judas. Die Primzahl 13 ist nach alter Zahlensymbolik somit eine "übersteigerte Zwölf", die die Harmonie (12 Stunden, 12 Monate, 12 Apostel) zerstört. Auch der Freitag als Wochentag ist im Christentum nicht gut beleumundet, den Adam und Eva sollen am fünften Tag - dem Freitag - vom verbotenen Apfel gegessen haben und Jesus wurde am Karfreitag gekreuzigt.

Folglich haben sich auch immer wieder Mathematiker mit diesem  besonderen Datum auseinandergesetzt. So rechnete Prof. Dr. Heinrich Hemme von der Fachhochschule Aachen nach, dass sich im alle 400 Jahre wiederholenden Kalender und damit auf einer Berechnungsgrundlage von 4.888 Monaten folgende Verteilung ergibt: Der 13. Kalendertag des Monats fällt 684 Mal auf einen Donnerstag oder Samstag, 685 Mal auf einen Montag oder Dienstag, 687 Mal auf einen Mittwoch oder Sonntag, aber eben 688 Mal auf einen Freitag - ein minimaler, aber sich über die Jahrhunderte auswirkender Vorsprung zum Ünglücklichwerden.

Bei allem Rückgriff auf die Rationalität, etwas Besonderes bleibt da dann doch auch heute noch in der Hotellerie rund um dieses Datum. So eröffnete etwa das prizeotel Bremen-City trotz seiner Fertigstellung am 13. Februar 2009, der positiveren Assoziationen wegen lieber erst am folgenden Valentinstag, dem 14. Februar 2009. Und das Steigenberger Hotel Der Sonnenhof in Bad Wörishofen gewährt am heutigen Freitag, den 13. anreisenden Gästen als Marketingaktion für ihre Übernachtung 13 Prozent Preisnachlass.


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Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

luthe@hotellerie.de
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