Verdammte Axt!

Hotelführer

Markus Luthe / 30.05 2010

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

 

 

Blog von Markus Luthe zur Mehrwertsteuersenkung vom 31. Mai 2010



Eintrag von Lena Meyer-Landrut in das Goldene Buch der Stadt Hannover: „Wow! Verdammte Axt, ist das geil! Danke schön. Leni.“ Foto: © Martin Steiner, www.haz.deKlare Ansage bringt Sympathiewerte. Vielleicht kann man den sensationellen Erfolg von Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest auch auf diesen einfachen Nenner bringen?  Selbst in der Wirtschaftspresse hat sich der neue Popstar heute die Pole-Position auf den Titelseiten im Sturm erobert und sogar die Spekulationen um ein Rückgängigmachen des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Hotellerie hauchdünn abgehängt.  Denn die Medien registrieren seit dem Wochenende akribisch jeden Testballon, den Koalitionspolitiker aus der zweiten Reihe im Vorfeld der Haushaltsklausur des Bundeskabinetts zum Haushalt 2011 am kommenden Sonntag im Bundeskanzleramt hierzu aufblasen, und lassen ihn nur zu gerne steigen.  So möchte der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring  (CDU) laut dpa  den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Hotels „überprüft sehen“ und der neu ins Amt gelangte baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus  (CDU) lässt sich gar mit den Worten zitieren: „Es war ein Fehler, die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen zu ermäßigen.“  Nun wird sicher noch nach einem prominenteren FDP-Politiker gesucht, dessen mehr oder weniger korrektes Zitat, dann wieder anderen (Finanz-)Politikern vorgelegt wird… Fortsetzung vorprogrammiert.
Unterschriften unter dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und FDP; Foto: © ap Womit hat die Branche diese umgehende, massive Verunsicherung durch dieselben Politiker verdient, die noch im Dezember das Wachstumsbeschleunigungsgesetz in Bundestag und Bundesrat beschlossen haben? Oder anders gefragt: Was ist die Halbwertzeit eines Koalitionsvertrages? Keine 7 Monate?  Die Hotellerie jedenfalls hat im Zusammenhang mit der Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes zum 1. Januar 2010 alle Zusagen eingehalten und ist ihrer Verantwortung gerecht geworden: Die den Verbänden bislang aufgrund der Mehrwertsteuersenkung konkret gemeldeten Zusatzinvestitionen bewegen in einer Größenordnung von mehreren hundert Millionen Euro. Auch die Übernachtungspreise (brutto, ohne Frühstück) sanken nach Zahlen von STR Global im ersten Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 % oder 4,30 Euro auf 96,00 Euro.  Und das vor dem Hintergrund des ohnehin schon im europäischen Vergleich niedrigen Preisniveaus in Deutschland und einer von der Wirtschaftskrise voll erfassten Branche, die im Jahr 2009 einen Nettoumsatzrückgang von 1 Milliarde Euro hinnehmen musste. Der Flurschaden eines Salto rückwärts wäre in jeder Hinsicht verheerend. Die Hotellerie hat einen Anspruch auf verlässliche Rahmenbedingungen und Steuergerechtigkeit in Europa!

Ihr
Markus Luthe


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
23.02 2021 von Markus Luthe
Blocking.com
American Football

Während die Hotellerie weiter händeringend auf die Auszahlung der Novemberhilfen für die Auszahlung der Februarlöhne wartet und von bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reichenden Stufenplänen für den Re-Start schockiert wird, bauen die Hotelportale unterhalb des Branchenradars ihre dominierende Marktposition munter aus, allen voran Booking.com. ...

15.02 2021 von Markus Luthe
Schafft Wissen!
Covid-19-Test

Die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen legen Wert auf die Feststellung, unser Land evidenzbasiert und wissenschaftlich fundiert durch die Corona-Krise und den Lockdown zu führen. Dieses Narrativ wird gerne auch durch Einladungen namhafter Wissenschaftler zu Beginn der jeweiligen Entscheidungsgipfel gepflegt. Umso buchstäblich fragwürdiger ist das dann anschließend verkündete Öffnungsszenario, bei dem Restaurants und Hotels erst ganz, ganz hinten im noch nicht einmal ausgearbeiteten Zeitplan einsortiert werden. Auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten können sich die Entscheidungsträger*innen dabei jedenfalls nicht berufen. ...

28.11 2020 von Markus Luthe
Nullnummer

Die Printausgabe der Welt am Sonntag (WamS) wartet heute mit der Schlagzeile „10.000.000.000 Euro zu viel“ auf und wird damit bei ansonsten noch dürrer Nachrichtenlage am 1. Advent von vielen Medien unreflektiert zitiert. Gestützt auf eine bislang unveröffentlichte Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden vermeintliche Spendierhosen des Bundes kritisiert, der sich im neuerlichen Lockdown großzügiger als nötig geben würde. Vor allem Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe hätten dank der Entschädigung oft mehr, als wenn sie geöffnet hätten. ...