'Schland, oh 'Schland

Markus Luthe / 06.07 2010

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

Blog von Markus Luthe zum Inlandsmarketing vom 6. Juli 2010

Auch wenn Deutschland im Moment lyrisch und gesangstechnisch einen ein wenig reduzierten Eindruck macht, sorgt sich dieser Blogbeitrag nicht um die Qualität der Fangesänge, sondern um die Melodie, die der Deutschlandtourismus zukünftig im Konzert der Destinationen spielen wird. Denn mit Beschluss der Wirtschaftsministerkonferenz kann die Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) ab dem Jahr 2012 ihr überregionales Inlandsmarketing nicht mehr fortsetzen und darf das touristisch verkürzte ’Schland der Rollenverteilung des Grundgesetzes folgend nur noch im Ausland promoten.

Bekanntlich beauftragten die Marketingorganisationen der Bundesländer - kurz: Landesmarketingorganisationen (LMO) - im Zeichen der Kurkrise die DZT ab dem Jahr 1999 mit der Durchführung eines überregionalen Inlandsmarketings. Hierfür erhält die DZT zusätzlich zu ihrem Budget für das Auslandsmarketing von den LMO jährlich einen Betrag von 1,79 Mio. Euro und vom Bund 500.000 Euro. Ergänzt um weitere Beiträge der Wirtschaft finanziert die DZT hieraus u.a. die Kampagne „Tapetenwechsel? - Kurzurlaub in Deutschland“.  

Die LMO sind nun allerdings der Auffassung, das überregionale Inlandsmarketing habe in der bestehenden Form zwar gute Dienste geleistet, es habe aber ausgedient. Die dadurch frei werdenden Mittel wollen sie lieber für die Bewerbung ihrer eigenen Marken einsetzen. Daraufhin beschlossen die Wirtschaftsminister der Länder, obwohl sie eine länderübergreifende Zusammenarbeit zur Förderung des Inlandstourismus weiterhin für grundsätzlich sinnvoll erachten, aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen das überregionale Inlandsmarketing über das Jahr 2011 nicht fortzusetzen. Gleichwohl werden länderübergreifende thematische Kooperationen ausdrücklich begrüßt. 

Wie sich die Länder diese „länderübergreifenden thematischen Kooperationen“ nun im Konkreten vorstellen, ist bisher aber noch nicht erkennbar oder gar festgelegt. Soll der Deutschlandtourismus mit seinen Facetten und seiner thematisch breiten Aufstellung auch weiterhin im - buchbaren - Trend liegen, so bedarf es zweifellos rascher Antworten auf diese Herausforderung. 

Fast zeitgleich mit dem Revival des touristischen Föderalismus in Deutschland hat übrigens die durch den Vertrag von Lissabon in ihrer Tourismuskompetenz gestärkte Europäische Kommission offiziell das Ziel ausgerufen, die Position Europas als wichtigstem Reiseziel der Welt weiter auszubauen. Hierzu soll das Tourismusportal www.visiteurope.com stärker beworben und „die Anziehungskraft Europas als ein aus nachhaltigen Qualitätsreisezielen bestehendes Ganzes“ gestärkt werden. Zu diesem Zweck sollen gemeinsame Werbemaßnahmen bei internationalen Großveranstaltungen und wichtigen Touristikmessen durchgeführt werden... 


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
19.01.2024 von Markus Luthe
Gesslerhut digital

Wäre diese Meldung am 1. April veröffentlicht worden, hätte ich sie direkt in meine jährliche April Fools Top Ten aufgenommen: Deutschland zweitgrößte Mehrzweckhalle an der Berliner East Side Gallery, die Heimat der Eisbären und der Albatrosse, wird schon bald nicht mehr „Mercedes-Benz Arena“, sondern „Uber Arena“ heißen. Der Platz vor der Arena wird von „Mercedes Platz“ auf „Uber Platz“ umgetauft und die angrenzende „Verti-Music Hall“ wird zur „Uber-Eats-Music-Hall". So einen Fast-Speed-Happen muss man erstmal verdauen…

01.01.2024 von Markus Luthe
Ausblick

Jahresanfang – Zeit für einen Ausblick auf das, was das neue Jahr mit sich bringt. Vor 12 Monaten habe ich an dieser Stelle erstmals auf künstliche Intelligenz gesetzt und meinen Blogpost "Annus horribilis" ChatGPT anvertraut. Nun, rückblickend betrachtet hat sicher nicht nur die KI noch Luft nach oben… Was wird in diesem Jahr wichtig werden? Auch wenn es nahe liegen könnte, nun den Neujahrsbogen vom Mehrwertsteuerschock über die Fußball-EM bis zum andauernden Krieg in unserer Nachbarschaft zu spannen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein anderes Ereignis lenken, dass für unsere gesellschaftliche, wirtschaftliche und damit auch touristische Zukunft von enorm unterschätzter Bedeutung sein wird: Die Europawahlen am 9. Juni 2024!

07.11.2023 von Markus Luthe
Löchrig

Wann haben Sie eigentlich zum ersten Mal entdeckt, ob Ihr Handy 5G-tauglich ist? Bei mir war es vor ein paar Jahren bei einem Besuch in Estland, als zum ersten Mal „5G“ auf meinem Handy-Display aufleuchtete. Hier in Deutschland hatte ich erst letztes Jahr Premiere. Immerhin ist so jetzt wenigstens auch das Mobilfunkloch in meinem Büro im Berliner Verbändehaus in 400 Meter Entfernung vom Reichstag gestopft worden: Ich bin jetzt mit 2 von 5 Feldstärke-Balken im 5G-Zeitalter angekommen… Yeah?