Markus Luthe / 20.12 2017

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück
© ClipDealer
© ClipDealer

 

Blog von Markus Luthe zur Plattform-Ökonomie

Der Europäische Gerichtshof hat heute wohl eine Menge heißer Luft aus der überdrehenden Plattform-Ökonomie abgelassen. Und endlich für Klarheit gesorgt!


Das oberste europäische Gericht musste sich mit der Frage befassen, was der Fahrdienstvermittler Uber denn eigentlich ist: Eine Internetplattform oder ein Taxiunternehmen?


Die Antwort des EuGH in der fiel eindeutig aus: Der Vermittlungsdienst von Uber ist integraler Bestandteil einer Gesamtdienstleistung, die hauptsächlich aus einer Verkehrsdienstleistung besteht. Sie ist daher nicht als Dienst der Informationsgesellschaft, sondern als eine Verkehrsdienstleistung einzustufen. Somit unterliegt Uber den jeweiligen Branchen-Regulierungen der Mitgliedsstaaten.


Dieses Urteil kann über Uber hinaus weitreichende Konsequenzen für alle Anbieter von Peer-2-Peer-Plattformen auch anderer Branchen entfalten. So zeigt der Urteilstenor auch Airbnb deutliche Grenzen auf, die zu mehr Wettbewerbsgerechtigkeit und Transparenz im Beherbergungsgewerbe führen können. Einen Sonderstatus als Wissens- und Vermittlungsplattform wird Airbnb für sich nicht mehr reklamieren können. Dem eines schützenswerten „Start-up-Unternehmens“ ist die Plattform eh entwachsen.


Aber auch für andere Platzhirschen der Portalökonomie dürfte die Luft dünner werden. So wird es bspw. Booking.com zukünftig schwerer fallen, sich der für Reisebüros in den Niederlanden üblichen Sozialversicherungsbeiträge zu entziehen. Anfang 2017 war es der Priceline-Tochter mit Sitz in Amsterdam noch gelungen, ein niederländisches Gericht vom Gegenteil zu überzeugen. Auch mit solchen „Mätzchen“ dürfte der EuGH nun Schluss gemacht haben.

 


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
07.04 2022 von Markus Luthe
Vorgeknöpft

Der Button zum Abschluss der Buchungsstrecke von Booking.com ist uns schon länger ein Dorn im Auge. Der nach eigenen Angaben weltweite Marktführer für Online-Reisen hält entgegen dem Wortlaut des § 312j BGB den lapidaren Hinweis „Buchung abschließen“ für rechtsverbindlich und die Verbraucher für hinreichend geschützt. Das ist aus unserer Sicht rechtsfehlerhaft und damit auch wettbewerblich unlauter.

06.01 2022 von Markus Luthe
Tourismus: Wirtschaft!

Jetzt ist es auch amtlich: Der Tourismus in Deutschland spielt eine enorme Rolle für Wirtschaft und Umwelt in Deutschland. Die Branche erwirtschaftete vor der Corona-Krise 4 % der Wertschöpfung und stellte 6,1 % der Erwerbstätigen. Sie emittierte 2,6 % der Treibhausgase.

22.12 2021 von Markus Luthe
Sternenklar 5/5: 25 Jahre Deutsche Hotelklassifizierung

Im fünften und letzten Teil meiner kleinen Blogpost-Serie zum 25jährigen Jubiläum der Deutschen Hotelklassifizierung gehe ich auf falsche und gefälschte Hotelsterne ein. ...