Markenzeichen

Markus Luthe / 11.07 2009

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

Blog von Markus Luthe zur Mehrwertsteuerdebatte vom 11. Juni 2009

Eine ganze Weile grübele ich jetzt schon, was Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Frühjahr diesen Jahres letztlich dazu brachte, seinen hartnäckig und inbrünstig geführten Widerstand gegen den Wunsch des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy nach Anwendung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Restaurants aufzugeben? Das Verhältnis der beiden Protagonisten galt schließlich spätestens nach Steinbrücks selbstbewussten und gewohnt direkten Widerworten in Sachen Maastricht-Kriterien Auge in Auge auf dem Treffen der Euro-Finanzminister im Juli 2007 als gründlich zerrüttet. „Herr Steinbrück ist nicht immer liebenswürdig“, ließ sich damals der französische Präsident nach der Sitzung ein öffentliches Statement entlocken; hinter verschlossenen Türen soll er sich deutlich weniger druckreif eingelassen haben.

Wie kam es also zur fachlich-menschlichen Annäherung im Frühjahr diesen Jahres? Meine bisherigen Arbeitshypothesen drehten sich um Großes: Frankreichs Rückkehr in die Kommando-Strukturen der Nato oder um das neuerdings gemeinsame deutsch-französische Vorgehen gegen Steueroasen. Dabei dürfte der Grund viel "kleiner" gewesen sein, wie die heutige Ausgabe der aufdeckt.

Von seiner französischen Amtskollegin Christine Lagarde habe Peer Steinbrück erfahren, dass Nicolas Sarkozy passionierter Briefmarkensammler sei. Und da der Bundesfinanzminister auch die Briefmarkenaufsicht in Deutschland wahrnimmt, habe er beim Londoner G20-Gipfel Monsieur le Président einen Sammelband mit den Sondermarken der Deutschen Post des letzten Jahres geschenkt. Der französische Präsident soll gerührt gewesen sein und sich zwischenzeitlich auch mit Meursault-Flaschen aus dem Weinkeller des Élysée-Palastes beim Weißwein-Liebhaber Steinbrück bedankt haben. Ein Hoch auf die deutsch-französische Freundschaft!

Damit ist aber gleichsam auch der philatelistische Kreativwettbewerb eröffnet, wie sich der deutschen Bundesregierung das Branchenanliegen Nummer 1 am stilvollsten „kleben“ ließe? Selbstverständlich mit einer Regel-, statt einer Sondermarke. Ich freue mich auf Ihre Vorschläge!


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
19.01.2024 von Markus Luthe
Gesslerhut digital

Wäre diese Meldung am 1. April veröffentlicht worden, hätte ich sie direkt in meine jährliche April Fools Top Ten aufgenommen: Deutschland zweitgrößte Mehrzweckhalle an der Berliner East Side Gallery, die Heimat der Eisbären und der Albatrosse, wird schon bald nicht mehr „Mercedes-Benz Arena“, sondern „Uber Arena“ heißen. Der Platz vor der Arena wird von „Mercedes Platz“ auf „Uber Platz“ umgetauft und die angrenzende „Verti-Music Hall“ wird zur „Uber-Eats-Music-Hall". So einen Fast-Speed-Happen muss man erstmal verdauen…

01.01.2024 von Markus Luthe
Ausblick

Jahresanfang – Zeit für einen Ausblick auf das, was das neue Jahr mit sich bringt. Vor 12 Monaten habe ich an dieser Stelle erstmals auf künstliche Intelligenz gesetzt und meinen Blogpost "Annus horribilis" ChatGPT anvertraut. Nun, rückblickend betrachtet hat sicher nicht nur die KI noch Luft nach oben… Was wird in diesem Jahr wichtig werden? Auch wenn es nahe liegen könnte, nun den Neujahrsbogen vom Mehrwertsteuerschock über die Fußball-EM bis zum andauernden Krieg in unserer Nachbarschaft zu spannen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein anderes Ereignis lenken, dass für unsere gesellschaftliche, wirtschaftliche und damit auch touristische Zukunft von enorm unterschätzter Bedeutung sein wird: Die Europawahlen am 9. Juni 2024!

07.11.2023 von Markus Luthe
Löchrig

Wann haben Sie eigentlich zum ersten Mal entdeckt, ob Ihr Handy 5G-tauglich ist? Bei mir war es vor ein paar Jahren bei einem Besuch in Estland, als zum ersten Mal „5G“ auf meinem Handy-Display aufleuchtete. Hier in Deutschland hatte ich erst letztes Jahr Premiere. Immerhin ist so jetzt wenigstens auch das Mobilfunkloch in meinem Büro im Berliner Verbändehaus in 400 Meter Entfernung vom Reichstag gestopft worden: Ich bin jetzt mit 2 von 5 Feldstärke-Balken im 5G-Zeitalter angekommen… Yeah?