Hotelier ... Minister?

Gast Author / 18.04 2011

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Gastblog von Sylvie Konzack, Stellv. Chefredakteurin von First Class, vom 18. April 2011

Gute Zahlen machen glücklich - das konnte man selten so eindrucksvoll wie auf der diesjährigen ITB beobachten. 12 % mehr Umsatz hier, 15 % mehr Übernachtungen da, neue Projekte soweit das Auge reicht. Gerade Deutschland scheint derzeit das Glück der Investitionstüchtigen gepachtet zu haben, und der allgemeine Dank gilt dabei einhellig auch der guten, jungen Mehrwertsteuersenkung. Für sie und andere Konjunkturhelfer hatte die Politik in einem lichten Moment die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen - auch wenn dabei zumindest moralisch die Hotellerie noch lange als Buh-Mann herhalten muss.

Aber was soll's! In diesen Tagen kann man sich ohnehin auf nichts mehr verlassen. Spätestens ein geplanter Tiefbahnhof im Ländle, Libyen und Japan haben alles kräftig durcheinander gewirbelt. So werden die Ultraschwarzen von heute auf morgen ohne ihren Ex-Doktor grün, die Schwarzen haben plötzlich furchtbare Angst vor Atomstrom, und die Gelben wissen zur Zeit gar nicht mehr, kann noch mehr Angst schaden oder helfen. Grün ist die Hoffnung - sagen sich also viele genervte Wähler und hieven die Roten gleich mit in die Verantwortung. Wen wundert's, dass man in diesen Stunden die „Tagesschau" schon mal mit dem „Scheibenwischer" verwechseln kann. Verdrehte Welt, alles auf Anfang, mag man da ausrufen.

Neue Politikerperspektiven braucht das ganze Land! Haben Sie nicht Lust? Lehrer machen es, Ärzte auch, und Juristen sowieso - etliche von ihnen gehen in die Politik. Warum nicht auch mehr Hoteliers? Sie wissen, wie man mit einem Stab an motivierten Mitarbeitern Menschen höflich behandelt und jeden Wunsch von den Augen abliest. Sie wissen, wie man bei den Gästen (gleich Wählern) für eine gesunde Mahlzeit ein höheres Preisbewusstsein schaffen kann und wie man sie z. B. per Wellnessprogramm gesund erhält - und das bei einem Betrieb, der sich rechnet.

Man könnte dies beliebig weiterführen: Abgesehen von gewohnten unorthodoxen Arbeitszeiten, haben viele von Ihnen im Ausland einige diplomatische Erfahrungen sammeln können. Bewertungen auf diversen Plattformen schocken Sie schließlich schon lange nicht mehr. Wer will noch behaupten, dass Hoteliers weniger als manch andere für die Ressorts Wirtschaft, Arbeit, Verbraucherschutz oder Gesundheit qualifiziert sind? Wenn Sie eine „Kulturförderabgabe" zahlen müssen, empfehlen Sie sich laut mancher Kommunenlogik sowieso für das Kultusministerium.


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