Es reicht!!

Hotelführer

Otto Lindner und Markus Luthe / 26.02 2021

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Blogpost von Otto Lindner und Markus Luthe zur Corona-Pandemie

Robert Koch-Institut_Toolbox zum Stufenkonzept
© RKI

Das Warten auf eine Öffnungsperspektive muss am 3. März endlich ein Ende haben! Die Bund-Länder-Runde muss einen nachvollziehbaren, belastbaren und überschaubaren Stufenplan vorlegen, der auch das Wiederhochfahren der Hotellerie nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschiebt! Die Erwartungshaltung der Branche ist genauso hoch wie berechtigt, dass die 17 Regierungen endlich einen Ausweg aus dem Dauer-Lockdown-Modus finden. Angesichts des Versagens der Staatsorgane beim Helfen, Impfen und Testen herrschen Verbitterung und Verzweiflung in der Hotellerie vor.

Im politischen Berlin mangelt es derweil nicht an einem Wirrwarr von Vorschlägen für Öffnungsstrategien. Sie werden im Vorfeld der Entscheidung gleichsam als Testballons zum Sondieren steigen gelassen. So soll der Stufenplan der Länder schrittweise Öffnungen für die Wirtschaft vorsehen, wenn die 7-Tage-Inzidenz unter 35 sinkt und dann auch nach jedem einzelnen Lockerungsschritt dauerhaft für einige Wochen stabil unter diesem Wert bleibt. Auch weitere Faktoren wie die Intensivbettenauslastung, der Impffortschritt und der R-Wert sollen künftig stärker Berücksichtigung finden.

Auf diese unkalkulierbaren Perspektiven kann man uns nicht weiter hinhalten!! Wenn fast alle anderen Bereiche der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens vor Hotellerie und Gastronomie geöffnet werden sollen, die Kitas und Schulen zum Regelbetrieb zurückkehren und im privaten Bereich die AHA+L-Disziplin immer mehr zu wünschen übrig lassen wird, dann wird der 35er-Inzidenzwert zur gänzlich unrealistischen Zielgröße.

Mit einem irgendwie gearteten besonderen Infektionsgeschehen in unserer Branche lässt sich die offensichtliche Diskriminierung in keinster Weise begründen. Auf die fehlende Evidenz und wissenschaftliche Fundierung eines solchen Vorgehens hatten wir bereits hingewiesen. Nun bestätigt dies auch das Robert Koch-Institut (RKI) offiziell.

In der vergangenen Woche legt das RKI sein Epidemiologisches Bulletin 8 | 2021 vor, das reiseassoziierte Covid-19-Fälle im Sommer 2020 unter Berücksichtigung der Schulferien, Reisetätigkeit und Testkapazitäten betrachtet. Das Bulletin verzeichnet zwar in der „Sommerferienwelle“ einen vorübergehenden Anstieg der reiseassoziierten Covid-19-Infektionen, doch die Länder, aus denen im Sommer 2020 das Coronavirus am häufigsten nach Deutschland eingetragen sind mit Kosovo, Kroatien, Türkei, Bosnien-Herzegowina und Rumänien allesamt Länder, aus denen insbesondere Saison- und Vertragsarbeiter nach Deutschland kommen und auch Heimatländer von Einwanderern. Erst danach und zahlenmäßig mit größerem Abstand folgen beliebte Urlaubsländer, wie z.B. Spanien oder Frankreich.

Daraus kann man den Rückschluss ziehen, dass es bei organisierten Reisen in Urlaubsländer zu weniger intensiven Kontakten mit der Bevölkerung und damit zu einem geringen Ansteckungsrisiko kam. Hygienekonzepte im Tourismus wirken also!

Wörtlich heißt es dazu beim RKI: „Dazu beigetragen haben vermutlich auch die Übernachtungen in Hotels, die im vergangenen Sommer oftmals Hygieneregeln unterlagen.“

In unseren Worten: Hotels sind nicht Teil des Problems, sondern der Lösung!

In dieser Woche legte das RKI für die politische Beratung noch eine „Strategie und Handreichung zur Entwicklung von Stufenkonzepten bis Frühjahr 2021“ namens ControlCovid vor. Mit seinem Vorschlag will das RKI die Entwicklung von Stufenplänen für den Einsatz bevölkerungsbezogener antiepidemischer Maßnahmen möglichst evidenzbasiert unterstützen.

Bei der Bestimmung der Risiken auf Basis der identifizierten Evidenz (individuelles Infektionsrisiko, Anteil am Infektionsgeschehen, Public-Health-Einflüsse wie Auswirkung auf Todesfälle und schwere Verläufe, und Nicht-Covid-Effekte wie z.B. soziale, psychologische, und andere gesellschaftliche Auswirkungen) werden die Hotels als „Setting mit niedrigem Risiko“ vom RKI fast ganz am Ende der Skala eingeordnet, nur Parks und Spielplätze seien noch sicherer.

Quelle: Robert Koch-Institut, 18.02.2021

Wir fordern von der Bund-Länder-Runde, dass sie dem selbstgestellten Anspruch evidenzbasierten Handelns gerecht wird und dem vom RKI einzig komplett grün gefärbten Sektor am 3. März eine ganz konkrete, zeitnahe Öffnungsperspektive gewährt.

Es reicht!!


3 Kommentare
Geschrieben von
Otto Lindner und Markus Luthe
Vorsitzender/HGF
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
3 Bemerkungen :

01/03/2021 20:30 von Karl Schapperer / Münchner Kaffeemensch

Die Inkompetenz dieser Regierung und Ihrer Beschlüsse wird in solchen Diagrammen noch mehr veranschaulicht als man es sich vorstellen mag. Mir schaudert bei dem Gedanken, das sich Politiker wie wir Sie nun alle kennen auf dem Rücken einer Branche Ihre künftigen Wahlstimmen kaufen können. Wie viele Schafe laufen in diesem Land frei rum?


80.000.000??

02/03/2021 18:38 von Andreas Nemeth / Nemeth Training + Coaching

Ihrem Beitrag ist nichts hinzuzufügen.


Hier der Link zu meinem offenen Brief an unsere Bundeskanzlerin


https://nemeth-training.de/offener-brief-an-die-bundeskanzlerin-pandemie

18/03/2021 18:58 von Uwe Zeller

Ich bin Bürger dieses Landes, Gast, Arzt und Vater einer Hotelfachfrau: ich kann nur dazu aufrufen, die Gangart zu verschärfen: friedlich auf die Straße gehen, aber laut und deutlich protestieren, nicht irgendwelchen Rechten das Feld überlassen, aber auch nicht zulassen, dass jeder, der gegen überzogene Coronamaßnahmen demonstriert, in eine bestimmte Ecke gestellt wird.


Hoteliers, Gastronomen UND Ihre Kunden müssen an einem Strang ziehen. Und zunehmend "fordern" und nicht "bitten". Wir sind keine Bittsteller.

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