Aushängeschild

Gast Author / 19.09 2011

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Gastblog von Peter Bierwirth vom 19.09.2011

Die Sommerpause ist vorbei - wir bereiten uns auf den ökonomischen Endspurt in diesem Jahr vor. Gleichzeitig ist es Zeit, die Budgets fürs kommende Jahr zu erarbeiten und damit geht der Blick nach vorn: im Windschatten einer prosperierenden deutschen Wirtschaft und nach einem bislang positiv verlaufenen Jahr ist Optimismus angesagt. Trotz teilweise chaotischer Nachrichten von den Finanzmärkten und aus ‚Brüssel‘ hoffen wir doch alle insgeheim, dass die Erkenntnis der Notwendigkeit wirtschaftlicher Vernunft unsere Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu entsprechendem Handeln zwingt.

Und was im Großen gelingen muss, sollte im Kleinen auch möglich sein - gesunder Menschenverstand und Weglassen parteipolitischer Scheuklappen einmal vorausgesetzt. Wovon ich spreche? Von der Bedeutung unserer Tourismusbranche in Deutschland, in der die Hotellerie eine wichtige Rolle spielt. Nicht nur als Arbeitgeber und Abnehmer zahlloser Produkte und Dienstleistungen, sondern insbesondere als Ausbilder ist unsere Branche für das Gemeinwohl von nicht zu unterschätzendem Wert. Da wir Gott-sei-Dank immer noch viele Mitarbeiter/innen brauchen und nicht jeden Handgriff automatisieren können (wollen), bietet die Hotellerie/Gastronomie vielen jungen Leuten die erste Chance zum Eintritt in das Berufsleben. Viele Junge - auch ohne Abitur und Studium - finden den ‚Weg nach oben‘, sammeln internationale Erfahrungen oder gehen später in die Industrie, wo sie wegen ihrer Allroundfähigkeiten oft sehr gern gesehen sind.

Eine prosperierende Hotellerie ist das Aushängeschild jeden Landes, von Städten und Gemeinden. Oft prägt sie das Stadtbild als Treffpunkt der Gesellschaft, deren Qualität von Veranstaltungen und Feierlichkeiten das Qualitätsbewusstsein und den Stil ihrer Bürger widerspiegeln. Vor dem Hintergrund zunehmend globaler Konkurrenz, dem Euro und fast unbegrenzter Reisefreiheit ist eine steuerliche Gleichbehandlung zumindest auf europäischer Basis für die Hotellerie zur kritischen Größe geworden. Die Einführung des reduzierten Steuersatzes ist daher - trotz aller emotionalen Kommentare - eine sinnvolle und gerechte Sache, die Gästen, Lieferanten, Handwerkern und schließlich auch Städten und Gemeinden nützt. Die Steuerreduzierung finanziert sich schließlich selbst!

Umso kleinkarierter ist die Einführung einer sog. ‚Bettensteuer‘ einiger Städte, die auf diese Weise ihre eigenen finanzpolitischen Versäumnisse ausgleichen wollen und eine Branche belasten, die sich nur schwer wehren kann. Man kann die Hotels halt nicht wie einen Produktionsbetrieb ins Ausland verlagern. Und außerdem scheint es in einigen Kreisen schick zu sein, eine Branche zu geißeln, die nach außen hin natürlich elegant und stilvoll erscheint und stolz ist, gepflegte Gastfreundschaft und oft luxuriöses Ambiente präsentiert. Da macht es sich gut, die offensichtlich Reichen und Schönen abzustrafen - obwohl man selbst ja ganz gern hofiert wird und es gar nicht teuer genug sein darf.

Wir finden, dass es an der Zeit ist, auch in der Tourismusfinanzierung, von der so viele andere Branchen auch noch profitieren, neue Wege zu gehen und für mehr Transparenz zu sorgen. Die Kommunen, die neben Kurtaxen und Fremdenverkehrsabgaben auch noch freiwillige Abgaben der Hotellerie gern in Anspruch nehmen, können nicht auch noch weitere Aufwandsteuern erheben, die willkürlich und nicht einmal zweckgebunden sind (!). Die sog. ‚Bettensteuer‘ ist kontraproduktiv und ungerecht - sie sorgt weder für Vertrauen in den Staat noch für das Gemeinwohl seiner Bürger.


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