Für die Platform-to-Business Regulierung (P2B) haben wir in Brüssel viele Jahre gekämpft. Am 20. Juni 2019 wurde die „Verordnung zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten“ im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Doch dann kam Corona und der Fokus der Branche richtete sich auf andere Themen. Jetzt droht die P2B-Verordnung zu Unrecht ganz unter die Räder zu geraten.
Der Rat der Europäischen Union berät Ende Februar in einer zuständigen Arbeitsgruppe einen Kompromisstext der zypriotischen Ratspräsidentschaft zum sogenannten „Digital Omnibus“. Darin enthalten ist auch der Vorschlag, die P2B-Verordnung aufzuheben. Ausgerechnet jetzt, wo die Verordnung zu wirken beginnt.
Die P2B-Verordnung schützt Hotels vor der Allmacht marktdominierender Online-Buchungsplattformen u.a. in folgenden Bereichen:
Planbarkeit bei AGB- und Vertragsänderungen:
Klare Bedingungen, Vorankündigungen und ein Kündigungsrecht bei wesentlichen Änderungen.
Schutz vor willkürlicher Durchsetzung:
Sperrungen, De-Listings oder Einschränkungen müssen begründet und auf definierte Gründe gestützt werden.
Transparenz bei Ranking und Sichtbarkeit:
Offenlegung zentraler Ranking-Parameter – einschließlich des Einflusses von Vergütungen oder Paid-Programmen.
Klarheit zu Affiliates und Weiterverbreitung:
Information darüber, über welche zusätzlichen Kanäle Angebote weiterverteilt werden.
Regeln zu Datenzugang und Streitbeilegung:
Transparenz über Datennutzung, interne Beschwerde-Systeme und Zugang zu Mediation.
Zwar verweist die EU-Kommission nicht zu Unrecht auf Überschneidungen mit dem Digital Services Act (DSA) und dem Digital Markets Act (DMA). Doch für die Hotellerie greift dieses Argument zu kurz: Der DSA zielt primär auf Nutzer- und Systemrisiken, nicht auf B2B-Fairness und verlässliche Vertragsbedingungen. Der DMA wiederum gilt nur für formell benannte „Gatekeeper“ – viele wirtschaftlich starke Plattformen und Intermediäre fallen nicht darunter.
Wie wichtig die P2B-Verordnung insbesondere für mittelständische Hotels ist, stellten gerade erst unsere französischen Partnerverbände Union des Métiers et des Industries de l’Hôtellerie (UMIH) und Groupement National des Chaînes Hôtelières (GNC) unter Beweis. Sie erwirkten am 29. Januar 2026 eine einstweilige Verfügung der französischen Generaldirektion für Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung (DGCCRF), mit der Booking.com auf Grundlage der P2B-Verordnung zu rund 50 Änderungen seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen verpflichtet wurde.
Und wenn mich meine Französischkenntnisse nicht völlig im Stich lassen, haben die laut Mitteilung unserer französischen Kolleginnen und Kollegen eine hohe Relevanz. Ich erwähne beispielhaft:
Bei der Beilegung von Kundenstreitigkeiten im Zusammenhang mit nicht verfügbaren Dienstleistungen oder Unregelmäßigkeiten der Leistungserbringung hat der Hotelier zukünftig Vorrang. Booking wird nur dann tätig, wenn das Hotel nicht in der Lage ist, die Streitigkeit selbst beizulegen.
Hoteliers haben zukünftig die Möglichkeit, die Marken und Kennzeichen von Booking auf ihren Websites zu verwenden, insbesondere wenn sie die verschiedenen verfügbaren Preise je nach Vertriebskanal anzeigen möchten.
Booking wird nun für die Bearbeitung von Fehlern seiner Affiliate-Partner verantwortlich (Ergebnispflicht). Hoteliers können von einem Affiliate von Booking online gestellte Informationen über einen speziellen Kanal direkt bei der Plattform beanstanden und Booking wird die Überprüfung und Aktualisierung mit seinem Affiliate vornehmen.
Booking.com muss sich bei Partnern, wie z.B. Agoda oder Hotelbeds, vergewissern, dass die Hotels, die diesen Partnern Zimmer zur Verfügung gestellt haben, auch ausdrücklich zugestimmt haben, dass ihre Zimmer ebenfalls über Booking.com vertrieben werden dürfen. Gleiches gilt für die Verwendung von Kennzeichen und Marken der Hotels.
Hotels erhalten die Möglichkeit zu einem teilweisen Opt-out aus dem Programm „Booking Sponsored Benefit – BSB“: Sie können die Einführung des BSB-Programms für flexible Reservierungen ohne Vorauszahlung ablehnen und diese somit aus dem Anwendungsbereich des BSB herausnehmen.
Hotels erhalten über das Extranet von Booking mehr Transparenz über den Einsatz von „Booking Sponsored Benefit – BSB“: Anzahl der von BSB betroffenen Reservierungen, Details zu den Reservierungen und über BSB verkaufte Zimmerpreise.
Anfang Februar 2026 hat Booking begonnen, eine neue Fassung seiner Partner-AGB [„Allgemeine Lieferbedingungen“ (ALB), v2601_E_i] in Deutschland auf Deutsch auszurollen. Die gemäß der einstweiligen Verfügung der DGCCRF vom 29. Januar 2026 umzusetzenden Verbesserungen für französische Hotels sind darin nicht - zumindest nicht vollumfänglich - enthalten.
Wir werden das weitere Vorgehen also ebenso aufmerksam wie kritisch beobachten. Schließlich wollen wir auch in Deutschland die P2B-Verordnung 1:1 in konkrete AGB-Änderungen bei Booking.com umgesetzt sehen!
Und auf gar keinen Fall darf der „Digital Omnibus“ der Europäischen Union die P2B-Verordnung still und leise aus dem Verkehr ziehen. Der Hotelverband Deutschland (IHA) fordert die Bundesregierung daher nachdrücklich auf, sich in den laufenden Beratungen für die P2B-Verordnung als tragende Säule fairer und transparenter Plattformbeziehungen einzusetzen!
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English version
From P2B to GTC
Blogpost by Markus Luthe on Booking.com
We fought for many years in Brussels for platform-to-business (P2B) regulation. On 20 June 2019, the ‘Regulation on promoting fairness and transparency for business users of online intermediation services’ was published in the Official Journal of the European Union. But then COVID-19 hit, and the industry's focus shifted to other issues. Now, the P2B Regulation is in danger of being accidently run over.
At the end of February, the Council of the European Union will discuss a compromise text from the Cypriot Presidency on the so-called ‘Digital Omnibus’ in a working group responsible for this area. This text also includes a proposal to repeal the P2B Regulation. And this at a time when the Regulation is just beginning to take effect.
The P2B Regulation protects hotels from the omnipotence of market-dominating online booking platforms in the following areas, among others:
The EU Commission rightly points out overlaps with the Digital Services Act (DSA) and the Digital Markets Act (DMA). However, this argument falls short for the hotel industry: the DSA primarily targets user and system risks, not B2B fairness and reliable contract terms. The DMA, on the other hand, only applies to formally designated ‘gatekeepers’ – many economically powerful platforms and intermediaries are not covered.
The importance of the P2B Regulation, especially for medium-sized hotels, has just been demonstrated by our French partner associations Union des Métiers et des Industries de l'Hôtellerie (UMIH) and Groupement National des Chaînes Hôtelières (GNC). On 29 January 2026, they obtained a preliminary injunction from the French Directorate-General for Competition, Consumer Affairs and Fraud Control (DGCCRF), which required Booking.com to make around 50 changes to its general terms and conditions on the basis of the P2B Regulation.
And if my French language skills don't completely fail me, according to the statement from our French colleagues, these changes are highly relevant. Here are a few examples:
In future, hoteliers will have priority in resolving customer disputes relating to unavailable services or irregularities in service provision. Booking will only take action if the hotel is unable to resolve the dispute itself.
Hoteliers will in future have the option of using Booking's brands and trademarks on their websites, in particular if they wish to display the various prices available depending on the distribution channel.
Booking will now be responsible for processing errors made by its affiliate partners (obligation to achieve results). Hoteliers can complain about information posted online by a Booking affiliate directly to the platform via a special channel, and Booking will review and update the information with its affiliate.
Booking.com must verify with partners such as Agoda or Hotelbeds that the hotels that have made rooms available to these partners have also expressly agreed that their rooms may also be distributed via Booking.com. The same applies to the use of hotel logos and trademarks.
Hotels are given the option to partially opt out of the ‘Booking Sponsored Benefit – BSB’ programme: they can refuse to introduce the BSB programme for flexible reservations without prepayment and thus remove them from the scope of the BSB.
Hotels receive greater transparency about the use of ‘Booking Sponsored Benefit – BSB’ via the Booking extranet: number of reservations affected by BSB, details of the reservations and room prices sold via BSB.
At the beginning of February 2026, Booking began rolling out a new version of its partner terms and conditions [“General Terms and Conditions of Delivery” (ALB), v2601_E_i] in Germany in German language. The improvements for French hotels to be implemented in accordance with the DGCCRF's preliminary injunction of 29 January 2026 are not included in this version, at least not in their entirety.
We will therefore monitor further developments closely and critically. After all, we want to see the P2B Regulation implemented 1:1 in concrete changes to Booking.com's terms and conditions in Germany as well!
And under no circumstances should the European Union's ‘Digital Omnibus’ quietly withdraw the P2B Regulation from circulation. The German Hotel Association (IHA) therefore urges the Federal Government to advocate for the P2B Regulation as a cornerstone of fair and transparent platform relationships in the ongoing consultations!
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