Abzüge in der B-Wertung

Hotelführer

Markus Luthe / 06.07 2014

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück
© ClipDealer
© ClipDealer

 

Blog von Markus Luthe zu Hotelbewertungen

Aus dem Turniertanzsport und dem Eiskunstlaufen sind A-Noten für die technische Ausführung und B-Noten für den künstlerischen Ausdruck bekannt - vom Gerichtsparkett bislang eher weniger. Wollte man aber das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 1. Juli 2014 (Az.: ) zur Anonymität von Internetportalen einer Bewertung unterziehen, könnte man zu einem zwiespältigen Votum kommen:

Für eine passable A-Note hat der Bundesgerichtshof formal alles richtig gemacht, denn eine ausdrückliche gesetzliche Ermächtigungsgrundlage im Sinne des § 12 Abs. 2 TMG liegt nicht vor, so dass nach Auffassung des BGH ohne Einwilligung eines Nutzers dessen personenbezogene Daten zur Erfüllung eines Auskunftsanspruchs nicht an einen in seinen Persönlichkeitsrechten Betroffenen übermittelt werden dürfen. So weit der Lateinstandard.

In der B-Wertung erhält der BGH aber Abzüge bei Würdigung des Gesamteindrucks. Denn jetzt steht dem in seiner Persönlichkeit Verletzten nur noch der Weg zur Staatsanwaltschaft offen, wenn er des Rechtsverletzers habhaft werden will. Diese muss er einschalten, um sich bei fortgesetztem Bewertungsmissbrauch nicht ein Hase-und-Igel-Rennen um das jeweilige Löschen illegitimer Einträge zu liefern. Letztlich bedeutet das auch eine durchaus vermeidbare Kriminalisierung der Gesellschaft. Meiner Einschätzung nach hätten die BGH-Richter hier durchaus auch den allgemeinen Auskunftsanspruch nach §§ 242 und 259 BGB greifen lassen können.

Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass gem. § 14 Abs. 2 TMG auf Anordnung zuständiger Stellen (Polizei, Staatsanwaltschaft) Auskunft über den Bewerter nur zu Zwecken der Strafverfolgung, der Gefahrenabwehr, der Aufgaben des Verfassungsschutzes und der Durchsetzung der Rechte am geistigen Eigentum zu erteilen ist. Warum genießt der Urheberrechtschutz von Verlagen einen höheren Stellenwert als die Persönlichkeitsrechte der Zivilbevölkerung? Hier stimmt die Balance nicht und der Gesetzgeber muss den Takt neu vorgeben.

Aber was können die Bewertungsportale bis dahin selbst tun, um das Parkett ihres Geschäftsmodells weniger holprig auszulegen? Ich schlage ein Häkchen-Feld „Ich habe kein Problem bei etwaigen Nachfragen. Sie können meine Kontaktdaten bei begründetem Interesse gerne weiterleiten“ vor - oder so ähnlich.

Bei einer solchen Opt-in-Lösung mit jederzeitiger Widerrufbarkeit kann der Bewertende selbst entscheiden, wie er im Falle eines Falles mit einer etwaigen Anfrage des Bewerteten umgehen möchte. Der Bewertung selbst könnte zur Information aller Nutzer grundsätzlich ein offenes oder geschlossenes Schlosssymbol hinzugefügt werden. Die Bewertung erhielte so von Anfang an mehr Glaubwürdigkeit und der Nutzer eine wichtige Zusatzinformation der Belastbarkeit der Aussage. Statt Abzügen in der B-Wertung könnte ein echter Zugewinn in der Bewertung die Folge sein.

Heute wird übrigens im Deutschen Institut für Normung (DIN) ein deutscher Spiegelausschuss zum internationalen Normungsprojekt

ISO TC 290 "Online Reputation"

0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
16.10.2022 von Markus Luthe
Durchsichtig

Parlamentarismus lebt von Kontakten mit Interessenverbänden. Das ist legitim und eine demokratische Selbstverständlichkeit, solange politische Entscheidungsprozesse transparent bleiben und die Interessenvertreter gleiches Gehör finden.

Mit dem zum 1. März 2021 eingeführten Lobbyregister des…

28.08.2022 von Markus Luthe
Saunascham

Nach der Flugscham soll jetzt allen Ernstes die Saunascham folgen? Eine solche Debatte befeuert zumindest der sommerliche Medien-Saunagang von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther. Er trifft damit die Wellnesshotels über seine Landesgrenzen hinaus ins Mark und offenbart ein für einen Regierungschef eines Tourismuslandes durchaus bemerkenswertes Marktunverständnis. Und Klaus Müller, der ehemalige grüne Umweltminister aus Schleswig-Holstein und jetzige Chef der Bundesnetzagentur, macht an diesem Wochenende einen medialen Saunaaufguss mit der herben Duftnote der „groben Unsolidarität“.

16.08.2022 von Markus Luthe
Sternstunde

Der Sommer ist die beste Zeit für ungetrübte Sternebeobachtung – und damit auch für einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Hotelsterne. Konkret angeregt zu dieser kleinen Sternstunde wurde ich von einer jüngst erschienenen Recherche von James Langton zur bekanntermaßen nur vermeintlichen 7-Sterne-Klassifizierung des Burj Al Arab in Dubai. Der Artikel enthielt für mich erstmals einen Hinweis auf die englische Reiseschriftstellerin Mariana Starke (1762-1838), aber dazu später mehr.

--------------------------------------

Scroll down for an English translation!