Tourismuswirtschaft fordert Gipfel im Bundeskanzleramt

12.05.2020 | Pressemitteilung des Hotelverbandes Deutschland (IHA)
Hotelführer
Bundeskanzleramt in Berlin; @ JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0
Bundeskanzleramt in Berlin; @ JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

 

Branchenverbände senden SOS an Politik / Mehr als eine Million Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Wenn nicht schnell Hilfe kommt, ist die Tourismuswirtschaft am Ende. Die Branche sendet deshalb SOS-Signale an die Politik. Reisebüros, Reiseveranstalter, Fluggesellschaften und Busunternehmen, Hotels, Restaurants und weitere Akteure des Deutschlandtourismus – ihnen allen ist aufgrund der Corona-Krise die Geschäftsgrundlage weggebrochen. Viele stehen jetzt unverschuldet vor dem Aus. Auf finanzielle Unterstützung wartet die Branche aber bisher vergeblich, bilanzieren die Verbände BTW, Dehoga, DRV, DTV, IHA, RDA und VIR. Und das, obwohl die Tourismus- und Reisewirtschaft eine der ersten Branchen war, die unmittelbar von der Corona-Krise betroffen war – und wohl mit am längsten brauchen wird, um sich zu erholen.

Gemeinsam fordern die Verbände nun einen Tourismusgipfel unter Leitung der Bundeskanzlerin. „Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, wir müssen reden. Wir sehen uns mit einer Krise dramatischen Ausmaßes konfrontiert, in der wir schnellstmöglich Hilfe benötigen. Ein beträchtlicher Teil des deutschen wirtschaftlichen Mittelstands läuft Gefahr innerhalb weniger Wochen komplett wegzubrechen. Über eine Million Arbeitsplätze sind unverschuldet in Gefahr geraten. Die Rücklagen sind aufgebraucht. Ohne einen Rettungsfonds mit schnellen, direkten Finanzhilfen werden wir es nicht schaffen“, so Dr. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).

Dazu Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA Bundesverband): „Der Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen muss jetzt kommen. Lage und Stimmung im Gastgewerbe sind verheerend. Die meisten Betriebe befinden sich in der neunten Woche ohne Umsätze bei weiterhin laufenden hohen Fixkosten. Die Betriebe, die jetzt öffnen können, haben erhebliche Umsatzausfälle aufgrund der Schutzmaßnahmen. Für viele lohnt es sich nicht zu öffnen.“

Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA), fordert: „Wir benötigen zudem unbedingt eine gesetzliche Klarstellung zum Recht auf Mietminderung in Zeiten der Corona-Pandemie, damit Vermieter und Mieter zu einem fairen Interessenausgleich bei Mieten und Pachten finden.“

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV), zur Besonderheit der Reisewirtschaft: „In vielen Wirtschaftszweigen, etwa im Einzelhandel, konnte ab dem Tag des „Shutdowns“ de facto kein Umsatz mehr generiert werden. Um ein vielfaches dramatischer stellt sich aber die Lage von Reisebüros und Reiseveranstaltern dar. Hier wurden bereits abgeschlossene Buchungen aufgrund der Reisewarnung nachträglich annulliert – was enorme Rückerstattungsforderungen der Kunden zur Folge hatte. Dies hat, neben dem komplett weggebrochenen Neugeschäft, die finanzielle Belastbarkeit der Reisebüros und Reiseveranstalter deutlich überfordert. Sie leiden noch zusätzlich unter der Planungsunsicherheit und der fehlenden Perspektive zur Öffnung touristischer Destinationen.“

Auf einem Tourismusgipfel müsste aus Sicht der Verbände daher vor allem diskutiert werden, welche auf die Tourismus- und Reisewirtschaft, Busunternehmen, Hotellerie, Gastronomie und die Vielfalt des Deutschlandtourismus zugeschnittenen finanziellen Unterstützungsmaßnahmen aufgelegt werden müssen, um das Überleben der Branche zu sichern.

Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverbandes (DTV): „Gerade die Vielfalt unserer Branche macht spezielle und passgenaue Fördermaßnahmen unerlässlich. Aber die Vermieter von Ferienwohnungen, die Betreiber von Campingplätzen, die Gästeführer, Schausteller und viele andere Akteure – für sie gibt es auch nach acht Wochen keine Unterstützung und sie stehen daher vor dem Ende ihrer wirtschaftlichen Existenz. Wir brauchen einen Rettungsschirm und ein wirksames Konjunkturprogramm. Tourismus muss endlich Chefsache sein!“

Die Branche ist einer der größten Arbeitgeber unseres Landes. Mit insgesamt rund drei Millionen Beschäftigten liegt der Tourismus auf Augenhöhe mit der Automobil- oder Maschinenbauindustrie. Die Tourismuswirtschaft steht für vier Prozent der Bruttowertschöpfung in Deutschland.

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