Hotellerie in Europa droht schwerer Schaden durch Ratsvorschlag zur Pauschalreiserichtlinie

23.03.2015 | Pressemitteilung von HOTREC - Hospitality Europe

Brüssel, 23 März 2015 – HOTREC, der europäische Dachverband des Gastgewerbes, warnt vor drohendem Schaden für die europäische Hotellerie durch die anstehende Novellierung der EU-Pauschalreiserichtlinie. Den Standpunkt des Rates zur Pauschalreiserichtlinie erachtet die Hotellerie als äußerst besorgniserregend. HOTREC appelliert an den Rat, die eigene Position im Rahmen der weiteren Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament zu überdenken.

Die Besonderheiten von Angeboten der Hotellerie werden in der vom Rat in den Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament eingenommenen Position nicht hinreichend berücksichtigt. Seit jeher bieten Hotels ihren Gästen diverse Zusatzleistungen an, wie z.B. einen Taxitransfer zwischen Hotel und Flughafen, die Nutzung des hoteleigenen Wellnessbereichs, einen Fahrradverleih, Operntickets, etc. Der Ratsvorschlag deklariert nun einige dieser Angebote zur Pauschalreise, was letztlich auch nicht im Interesse des Verbrauchers sein kann.

„Sollte die neue Richtlinie diese Leistungen umfassen, müssten viele Hotels entweder den Preis für diese Angebote erhöhen oder sie gar nicht mehr anbieten. In jedem Fall sind Hotels und Verbraucher negativ betroffen“, so Christian de Barrin, Generalsekretär von HOTREC.

Darüber hinaus ist die Definition des Rates zur neu eingeführten Kategorie der „Assisted Travel Arrangements” („Bausteinreisen“) so umfassend, dass selbst auf der Hotelwebsite gesetzte bloße Links zu lokalen kulturellen/touristischen Attraktionen erfasst sind. Dies macht die Aufrechterhaltung solcher Links für viele Hotels unmöglich. Dies sehen die Vertreter anderer touristischer Stakeholder ebenso, wie z.B. die Online Travel Agents (ETTSA), die Vergnügungsparks (IAPP), die Luftverkehrsbranche (IATA) oder der digitale Werbesektor (IAB Europe).

„Es ist eindeutig, dass der Ratstext die Realität des Hotelmarktes und die Rolle der Hotels bei der Bewerbung lokaler kultureller/touristischer Attraktionen nicht berücksichtigt. Tragfähige Lösungen sind jedoch möglich, wenn der politische Wille da ist“, fügt de Barrin zu.

Als Lösungsansatz schlägt HOTREC vor, dass Rat und Parlament sich auf folgende Punkte einigen:

  • Erhöhung des Wertes zur Bestimmung der wesentlichen Nebenleistung in Bezug auf die Definition der Pauschalreise oder Sicherstellung, dass eine - Pauschalreise dann nicht vorliegt, wenn kein Transportelement enthalten ist;
  • Auflistung der Nebenleistungen von Hotels, die nicht unter den Anwendungsbereich der Richtlinie fallen;
  • Überprüfung der Definition „Assisted Travel Arrangement” zur Sicherstellung, dass diese nur bei einem Transfer der Daten des Verbrauchers zwischen den Händlern vorliegt.

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Wer ist HOTREC?

HOTREC repräsentiert Hotels, Restaurants und Cafés in Europa. Die Branche steht für 1,8 Mio. Betriebe, von denen rund 99 % Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten sind. Das Gastgewerbe bietet allein in der Europäischen Union 10,2 Mio. Arbeitsplätze. Zusammen mit anderen touristischen Dienstleistern ist der Tourismus damit einer der größten Wirtschaftszweige überhaupt in Europa. HOTREC vereint 42 nationale Hotel- und Gaststättenverbände aus 27 Ländern.

PRESSEKONTAKT: Alexis Waravka, Public Affairs Manager, +32(0)2 513 63 23, alexis.waravka@hotrec.eu

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Ihr Ansprechpartner:

Markus Luthe

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