Liebesgrüße aus Amsterdam?

Tobias Warnecke / 28.09 2026

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Blogpost von Tobias Warnecke zu den DMA-Zusagen von Booking.com

(English translation below.)

Wer in diesen Tagen die Partner-Mails von Booking.com öffnet, reibt sich verwundert die Augen. „Important updates on pricing freedom, ranking and our programmes" lautet der Betreff, und was dann folgt, klingt über weite Strecken wie eine Zusammenfassung dessen, was der Hotelverband Deutschland (IHA) und seine europäischen Partnerverbände dem Portal seit Jahren ins Stammbuch schreiben. Flankiert wird das Ganze von einem Factsheet der Europäischen Kommission und einem eigenen Blogbeitrag des Portals unter der schönen Überschrift „Building trust through transparency".

Gegenstand der Anpassungen ist im Kern Artikel 5 Absatz 3 des Digital Markets Act (DMA), also das Verbot für den Gatekeeper, Unterkünfte daran zu hindern, dieselbe Leistung über andere Kanäle zu anderen Preisen und Bedingungen anzubieten.

Hotels in Europa dürfen ihre Preise frei setzen, die Preisgestaltung auf anderen Vertriebskanälen dürfen nicht in das Ranking einfließen und auch nicht darüber entscheiden, ob ein Hotel in den zweifelhaften „Genuss“ eines Booking Sponsored Benefits kommt. 

Es ist anzuerkennen, dass der größte Online-Vertriebspartner der europäischen Hotellerie („nur“ knapp zwei Jahre nach seiner Benennung als Gatekeeper unter dem DMA) Kriterien offenlegt, die bisher hinter einem Nebel aus Algorithmus-Andeutungen verborgen waren. 

Diese neue Transparenz ist das Ergebnis hartnäckiger Verbandsarbeit, eines EuGH-Urteils, eines scharfen Regulierungsinstruments und einer ganzen Reihe von Eingaben aus der Branche, an denen der Hotelverband Deutschland seinen Anteil hatte. Sie ist somit alles andere als ein Entgegenkommen des marktbeherrschenden Buchungsportals.

Und doch. Wer die Geschichte des Hotelvertriebs der letzten zwanzig Jahre kennt, weiß, welch langer Weg zwischen einer Ankündigung und der Marktwirklichkeit oftmals liegt. Diesmal wurde also (teil-)geliefert.

Was Booking.com zusagt

  • Die Preissetzungsfreiheit wird von Booking.com noch einmal ausdrücklich bestätigt. Betriebe im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) müssen Booking.com keine gleichen oder besseren Raten und Konditionen einräumen als anderen Online- oder Offline-Kanälen, einschließlich des eigenen Direktvertriebs. Booking.com verweist dafür auf Ziffer 2.2 der General Delivery Terms und erklärt, das Angebot werde unabhängig davon ausgespielt, welche Preise der Betrieb anderswo setzt.
     
  • Beim Ranking kündigt Booking.com erweiterte Erläuterungen im Extranet und im Partner Hub an sowie eine Aktualisierung der General Delivery Terms, konkret einen neuen Annex 4 „Ranking", der nach Unternehmensangabe „später in diesem Jahr" wirksam werden soll. Entscheidend ist die dort festgehaltene Aussage, dass Raten, Verfügbarkeiten und Konditionen auf anderen Seiten nicht in das Standard-Ranking einfließen.
     
  • Beim Booking Sponsored Benefit (BSB) entfallen die externen Preise als Aktivierungskriterium für Betriebe im EWR. Die Informationen zum Programm werden im Extranet gebündelt, und Booking.com stellt klar, dass es einen Teil des Zimmerpreises zugunsten des Gastes übernimmt, während der Betrieb den vollen Transaktionsbetrag erhält.
     
  • Für Genius, Preferred und Preferred Plus sagt Booking.com mehr Transparenz über Funktionsweise, Teilnahmevoraussetzungen, Leistungsbewertung sowie über Aussetzung und Beendigung der Teilnahme zu. Auch hier gilt die Zusage, dass Preise auf anderen Seiten die Teilnahmeberechtigung im EWR nicht berühren. Die im Extranet unter „Analytics“ angezeigten Informationen zu Preisen auf anderen Seiten seien nach Darstellung des Unternehmens rein informatorisch.
     
  • Hinzu kommen Erläuterungen zu Connectivity Providern und deren Stufen Certified, Premier und Premier Plus.

Sag niemals nie

Nur ist es leider nicht das erste Mal, dass die Branche solche Versprechen hört. Im November 2024 hatte Booking.com in seinem offiziellen DMA-Compliance-Report erklärt, die aktualisierten Lieferbedingungen für den EWR würden „Verweise auf Parität ausschließen“. Als wir im Juni 2025 die Vertragsbedingungen des Preferred-Programms gegenlasen, fanden wir die Paritätsklauseln nicht etwa gestrichen, sondern in den Kern der Bedingungen gerückt und dort in ein verwirrendes System geografischer Ausnahmen eingebettet, gültig für Länder „mit weiter Parität“, „mit schmaler Parität“ und „ohne Parität“, letztere jeweils „von Booking.com von Zeit zu Zeit angegeben“. Ein Hotelier, der so etwas liest, soll am Ende vor allem eines lernen: Besser nicht ausscheren! Unser damaliges Beschwerdeschreiben an die Kommission fiel entsprechend deutlich aus.

Ein Fortschritt auf Bewährung

Aus Sicht des Hotelverbands stimmt die eingeschlagene Richtung. Ein Portal, das seine Kriterien offenlegt (wenn auch nur unter Druck), macht sie überprüfbar, und Überprüfbarkeit ist die Voraussetzung jeder Marktordnung. 

Allerdings kann das nur der Anfang sein, denn wenn ein Vertriebspartner beispielsweise unabgestimmt die Stornierungsbedingungen eines Hauses verändert oder Erstattungen auslöst, ohne dass der Betrieb dem im Einzelfall zugestimmt hat, dann stellt das auch weiterhin einen Eingriff in die Vertragsfreiheit dar, ganz gleich wie transparent das Portal das darstellt.

Mit Artikel 5 Absatz 3 ist zudem nur ein Teil des Pflichtenkatalogs des DMA abgearbeitet. Das Multisourcing ist noch gar nicht adressiert worden. Ferner sind der Datenzugang nach Artikel 6 Absatz 10 und die Zahlungsdienste nach Artikel 5 Absatz 7 weiterhin offene Punkte, die von der EU-Kommission zurzeit noch geprüft werden. 

Ebenso wird auch noch die Frage zu beantworten sein, ob ein Treuerabatt, den das Hotel finanziert und dessen Verweigerung Sichtbarkeit kostet, nicht wie eine verdeckte Paritätsverpflichtung wirkt. In den Booking.com-Bedingungen ist die Mitwirkung am Genius-Programm ausdrücklich als Faktor genannt, über den eine Unterkunft ihr Ranking beeinflussen kann. Wer das liest, versteht schnell, dass die Entscheidung gegen Genius keine idealtypisch freie Entscheidung ist.

Was Hotels jetzt tun können

Rechte, die nicht ausgeübt werden, verlieren ihre disziplinierende Wirkung. Die schönste Preissetzungsfreiheit nützt nichts, wenn im Channelmanager weiterhin überall derselbe Preis steht. Deshalb ganz praktisch:

Die beste Rate nur direkt. Wenn Fremdpreise weder das Ranking noch die Programmteilnahme berühren, dann gibt es oftmals keinen Grund mehr, dem Portal die günstigste Rate zu überlassen. Hotels sollten erwägen, die beste Rate auf der eigenen Webseite und auf den relevanten Metasuchmaschinen anzubieten.

Die neuen Erläuterungen im Extranet und im Partner Hub sind keine Lektüre für nebenbei. Sie sind das Material, mit dem sich im Zweifel belegen lässt, was zugesagt war. Wer sie abspeichert, hat später eine bessere Beweislage.

Genius, Preferred und BSB nachrechnen. Die verbesserte Transparenz ist genau dann etwas wert, wenn sie zum Anlass genommen wird, die effektiven Vertriebskosten des jeweiligen Programms einmal sauber zu ermitteln. Provision plus hotelfinanziertem Rabatt plus Zahlungsabwicklung dürfte in vielen Häusern eine Zahl ergeben, die deutlich über der Provision liegt, mit der man kalkuliert.

Abweichungen dokumentieren. Wer nach einer Preisabweichung Veränderungen bei Sichtbarkeit, Konversion oder Programmstatus feststellt, sollte das mit Datum und Screenshot festhalten und uns melden. Aus Einzelbeobachtungen wird nur dann ein Beweis, wenn sie belastbar dokumentiert sind.

Ob die Maßnahmen ausreichen, entscheidet sich schlussendlich nicht in Pressemitteilungen und freundlichen Partner-Mails, sondern daran, wie Vertragsbedingungen in der Praxis umgesetzt und gelebt werden. 

Als Hotelverband Deutschland (IHA) werden wir das Marktverhalten gegenüber unseren Mitgliedern weiter intensiv beobachten und der Europäischen Kommission wie bisher belastbare Informationen aus der Praxis vorlegen.

Liebesgrüße zurück nach Amsterdam!


English translation:

From Amsterdam with Love?

Anyone opening the partner emails from Booking.com these days will rub their eyes in astonishment. “Important updates on pricing freedom, ranking and our programmes” reads the subject line, and much of what follows sounds like a summary of what the German Hotel Association (IHA) and its European sister associations have been telling the platform for years. All of it is flanked by a factsheet from the European Commission and the platform's own blog post under the fine heading “Building trust through transparency”.Factsheet der Europäischen KommissionBuilding trust through transparency

At the heart of these adjustments lies Article 5(3) of the Digital Markets Act (DMA), that is, the prohibition on the gatekeeper preventing accommodation providers from offering the same service through other channels at different prices and conditions.

Hotels in Europe are free to set their own prices, the pricing they apply on other distribution channels must not feed into the ranking, nor may it determine whether a hotel comes to enjoy the dubious “benefit” of a Booking Sponsored Benefit.

It should be acknowledged that the largest online distribution partner of the European hotel industry is disclosing criteria that were previously hidden behind a fog of algorithmic allusions – “only” just under two years after its designation as a gatekeeper under the DMA.

This new transparency is the result of persistent association work, of a CJEU ruling, of a sharp regulatory instrument and of a whole series of submissions from the industry, in which the German Hotel Association played its part. It is therefore anything but an act of goodwill on the part of the dominant booking platform.

And yet. Anyone familiar with the history of hotel distribution over the past twenty years knows how long the road between an announcement and market reality is. This time, at least, there has been (partial) delivery.

What Booking.com is committing to

  • Booking.com once again expressly confirms pricing freedom. Properties in the European Economic Area (EEA) do not have to grant Booking.com the same or better rates and conditions than they grant other online or offline channels, including their own direct distribution. Booking.com refers to clause 2.2 of its General Delivery Terms and states that the offer will be displayed regardless of the prices the property sets elsewhere.
     
  • On ranking, Booking.com announces expanded explanations in the extranet and on the Partner Hub, together with an update to the General Delivery Terms, specifically a new Annex 4 “Ranking”, which according to the company is expected to take effect “later this year”. The decisive statement recorded there is that rates, availability and conditions on other sites do not feed into the default ranking.
     
  • For the Booking Sponsored Benefit (BSB), external prices cease to be an activation criterion for properties in the EEA. Information on the programme is consolidated in the extranet, and Booking.com clarifies that it covers part of the room rate for the benefit of the guest, while the property receives the full transaction amount.
     
  • For Genius, Preferred and Preferred Plus, Booking.com promises greater transparency about how the programmes work, about participation requirements, performance assessment, and about the suspension and termination of participation. Here too the commitment applies that prices on other sites do not affect eligibility in the EEA. The information on prices on other sites displayed in the extranet under “Analytics” is, according to the company, purely for information purposes.
     
  • In addition, there are explanations regarding Connectivity Providers and their tiers Certified, Premier and Premier Plus.

Never Say Never Again

The trouble is that this is regrettably not the first time the industry has heard such promises. In November 2024, Booking.com stated in its official DMA compliance report that the updated delivery terms for the EEA would “exclude references to parity”. When we read through the terms and conditions of the Preferred Programme in June 2025, we found that the parity clauses had not been deleted at all, but moved to the very core of the terms and embedded there in a confusing system of geographic exceptions, applicable to countries “with wide parity”, “with narrow parity” and “without parity”, the latter in each case “as designated by Booking.com from time to time”. A hotelier reading this is meant to take away one lesson above all – better not to step out of line! Our letter of complaint to the Commission at the time was correspondingly clear.

Progress on probation

From the hotel association's point of view, the direction taken is the right one. A platform that discloses its criteria, even if only under pressure, makes them verifiable, and verifiability is the precondition for any functioning market order.

This can only be the beginning, however, because if a distribution partner unilaterally alters a property's cancellation conditions or triggers refunds without the property having consented in the individual case, that continues to constitute an interference with freedom of contract, no matter how transparently the platform presents it.

Moreover, Article 5(3) covers only part of the DMA's catalogue of obligations. Multisourcing has not been addressed at all. Furthermore, data access under Article 6(10) and payment services under Article 5(7) remain open issues that are still being examined by the European Commission.

It will likewise remain to be answered whether a loyalty discount financed by the hotel, the refusal of which costs visibility, does not operate like a hidden parity obligation. In Booking.com's terms, participation in the Genius programme is expressly named as a factor through which a property can influence its ranking. Anyone reading this quickly understands that the decision against Genius is not a freely taken decision in the ideal sense.

What hotels can do now

Rights that are not exercised lose their disciplining effect. The finest pricing freedom is worth nothing if the channel manager still shows the same price everywhere. So, in practical terms:

The best rate only direct. If external prices affect neither the ranking nor programme participation, there is often no longer any reason to give the lowest rate to the platform. Hotels should consider offering their best rates on their own websites and on relevant metasearch engines.

The new explanations in the extranet and on the Partner Hub are not reading matter for the side. They are the material with which, in case of doubt, it can be proven what was promised. Whoever saves them will have a better evidentiary position later on.

Do the maths on Genius, Preferred and BSB. The improved transparency is worth something precisely when it is taken as an occasion to establish, properly and once and for all, the effective distribution costs of the programme in question. Commission plus hotel-financed discount plus payment processing is likely to produce, in many houses, a figure well above the commission on which the calculation is based.

Document deviations. Anyone who observes changes in visibility, conversion or programme status following a price deviation should record this with date and screenshot and report it to us. Individual observations only become evidence if they are robustly documented.

Whether the measures are sufficient will ultimately be decided not in press releases and friendly partner emails, but by how contractual terms are implemented and lived in practice.

As German Hotel Association (IHA), we will continue to observe market conduct towards our members intensively and, as before, submit robust information from practice to the European Commission.

And back to Amsterdam, with love!


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Geschrieben von
Tobias Warnecke
Dipl.-Betriebsw. (FH) / Geschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

warnecke@hotellerie.de
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