Google im Kreuzfeuer des EU-Markt-Tests: Das europäische Gastgewerbe plädiert für strengere Verpflichtungen

27.05.2013 |

(Brüssel/Berlin, 27. Mai 2013) HOTREC, der europäische Dachverband der Hotels, Restaurants und Cafés, hat in einer Stellungnahme an die Europäische Kommission seinen Standpunkt zu den von Google mit Blick auf das laufende EU-Wettbewerbsverfahren angebotenen Selbstverpflichtungen verdeutlicht. So erwartet das Gastgewerbe zur Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen, dass bei Google die organischen Suchergebnisse mit den direkten Verknüpfungen zu den gesuchten Betrieben immer an der Spitze der Suchergebnisse erscheinen und nicht unter lauter Werbeanzeigen und Links zu anderen Google-Diensten untergehen.

Dem öffentlichen Aufruf der Europäischen Kommission (Case COMP/C-3/39.740) folgend, lieferte HOTREC seinen fachlichen Beitrag zum Wettbewerbsverfahren gegen Google, der einflussreichsten Suchmaschine in Europa und weltweit. Der atomistisch strukturierte gastgewerbliche Markt in Europa, der vor allem durch Kleinst-und viele kleine und mittlere Betriebe geprägt ist, sieht sich generell mit Praktiken im Bereich der organischen Suche und Metasuche, der Buchungsportale und Bewertungsplattformen konfrontiert, die immer mehr Betriebe als unausgewogen oder ungerecht empfinden.

Als Reaktion auf die von Google angebotene Verpflichtungserklärung im aktuellen Wettbewerbsverfahren betont HOTREC, dass es für die kleinen und mittleren Unternehmen entscheidend ist, in den Suchergebnissen nicht durch Werbung und Links anderer, teils von Google betriebener, kommerzieller Dienste, immer weiter nach unten verdrängt zu werden. Denn dadurch wird Traffic von der Website des gesuchten Betriebes weggeleitet. HOTREC fordert daher, dass jegliche Suchergebnisse werblicher Art von den organischen Suchergebnissen hinreichend klar getrennt dargestellt werden sollten.

Darüber hinaus sollte es verboten werden, dass Hotelnamen ohne die Zustimmung des Eigentümers in fremden Anzeigen und Suchergebnissen verwendet werden und so der Eindruck einer direkten Verlinkung zum gesuchten Dienst oder Betrieb entsteht, während in Wirklichkeit der Traffic auf Webseiten Dritter umgeleitet wird.

„Die von Google bisher angebotenen Zusagen zur Ausräumung der wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Kommission, sind aus unserer Sicht nicht ausreichend. Eine strengere Regulierung ist erforderlich und darüber hinaus sollte die Kommission auch eine gesetzgeberische Initiative zum generellen Verbot von Brand Bidding und Keyword-Advertising von OTAs auf Hotelnamen starten", fordert HOTREC-Präsident Kent Nyström.

________________________________________________________________________

Über HOTREC:

HOTREC repräsentiert Hotels, Restaurants und Cafés in Europa. Die Branche steht für 1,7 Mio. Betriebe, von denen rund 99,5% Klein- und Mittelbetriebe sind. Das Gastgewerbe bietet allein in der EU 9,5 Mio. Arbeitsplätze. HOTREC vereint 44 national Hotel- und Gaststättenverbände aus 27 europäischen Ländern.

________________________________________________________________________

Für weitere Informationen: www.hotrec.eu

PRESSEKONTAKT: Anna Maria Torres, CEO, + 32(0)2 513 63 23, hotrec@hotrec.eu

hotrec_pm_130527_google_im_kreuzfeuer_des_eu-markt-tests


hotrec_pm_130527_d-0513-189-dm-google_case_official_hotrec_comments


Weitere
02.07.2024
Online-Buchungsportale dominieren weiterhin Hotelvertrieb in Deutschland und Europa

HOTREC Hospitality Europe führt in Zusammenarbeit mit dem Institut für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz Wallis seit dem Jahr 2013 im Zweijahresturnus europaweite Online-Umfragen unter europäischen Hotels durch, um Entwicklungstendenzen der Distributionskanäle aufzuzeigen, Marktanteile zu ermitteln und in einem Gesamtkontext zu analysieren. Die nun vorliegend aktuelle Auswertung zeigt, dass zwischen 2013 und 2023 der Anteil der Online-Buchungsportale (OTA) am europäischen Hotelvertrieb um 50% gestiegen ist. Gleichzeitig ist der Anteil der Direktbuchungen in Europa zwischen 2013 und 2023 um 11,6% zurückgegangen. In Deutschland sank der Anteil der Übernachtungen, die über direkte Kanäle (online und offline) im Hotel gebucht wurden in den letzten zehn Jahren um 8,2%. Die Online-Buchungsplattformen konnten ihren Anteil dagegen um 49,0% steigern.

27.06.2024
Statement von Stefan Dinnendahl zum BGH-Urteil zur Zulässigkeit von Werbung mit dem Begriff "klimaneutral"

Beim Klimaschutz hat die Reduktion von CO₂ Vorrang vor dessen Kompensation. Eine Werbung mit „klimaneutral“ ist irreführend, wenn dieser Unterschied nicht deutlich wird.

Stefan Dinnendahl, Stellv. Hauptgeschäftsführer Hotelverband Deutschland (IHA), fasst das BGH-Urteil zusammen: "Wer mit 'klimaneutral' wirbt, muss die konkrete Bedeutung dieses umweltbezogenen Begriffs erklären. Eine Reduktion und Kompensation von CO2-Emissionen sind für den BGH keine gleichwertigen Maßnahmen."

18.06.2024
GVFH vergibt gemeinsam mit IHA und DHA vier Stipendien an talentierte Nachwuchskräfte
Gewinnerin der Stipendien Pia Weber, Lena Waldron und Hoang Duoc Duong (3. bis 5. von links) mit Merle Losem (rechts) und Otto Lindner (links) anlässlich des upnxt Hospitality Festivals 2024. Mit auf dem Bild die Gewinner der Produktinnovation des Jahres und des IHA-Start-up Awards 2024 (2.v.l.): André Roeske, Senior Vice President Sales ADA Cosmetics International GmbH und Brendan May, Geschäftsführer Hotel Res Bot (2.v.r.). © Upnxt/Elevatr

Im Rahmen des upnxt Hospitality Festivals hat der Verein zur Förderung der Hotellerie in Deutschland (GVFH) gemeinsam mit dem Hotelverband Deutschland (IHA) und der Deutschen Hotelakademie (DHA) am 12. Juni 2024 vier Stipendien an talentierte Nachwuchskräfte vergeben.