Markus Luthe / 03.12 2011

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Blog von Markus Luthe zu Suchmaschinen

In der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erschien Ende Oktober ein mit einem YouTube-Video verlinkter Artikel „Angestellter zeigt Kündigung im Netz - Fühlt sich gut an, es meinem Chef heimzuzahlen“. Als ich das Video aufrief – natürlich nur weil der Protagonist des Wackel-Filmchens ein (Ex-)Hotelangestellter ist – hatte ich mein Aha-Erlebnis in Sachen „Social Search“. Denn in dieses Video blendete der Google-Konzern Werbebotschaften ein, die auf mich ganz persönlich zugeschnitten waren.

Bella Sky Cromwell Hotel, KopenhagenDie 63. HOTREC Generalversammlung fand im Oktober in Kopenhagen im Bella Sky Cromwell Hotel statt. Selbstverständlich habe ich dieses Hotel vorher über Google im Internet gesucht und aufgesucht. Diese Suchanfrage muss Google gespeichert, meiner IP-Adresse (für alle Ewigkeiten?) zugeordnet und seiner Tochter YouTube als Datensatz zur Verfügung gestellt haben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass bei meinem Videoaufruf die Werbeeinblendung mich zu einem Wochenendaufenthalt in eben diesem Bella Sky Cromwell Hotel verführen wollte. So viel Zufall kann es nicht geben.

Eine weitere Werbeeinblendung wollte mich übrigens für eine private Krankenversicherung gewinnen. Dem entnehme ich gleich zwei Botschaften: Nächtliches Surfen scheint auch nach Google’s Auffassung gesundheitsschädlich zu sein und Rückschlüsse von der Hotelwahl auf das Haushaltseinkommen sind nicht immer treffgenau.

Ich jedenfalls war nachhaltig erschrocken über das Ausmaß personalisierter Suche und wofür meine Daten heute schon – ungefragt – herhalten müssen.

Eine Konsequenz liegt auch für die Hotellerie auf der Hand: Wenn zwei nebeneinander stehende Personen auf ihren Smartphones zeitgleich eine Google-Suche nach einem Hotel in einer bestimmten Stadt eingeben, erhalten sie voneinander abweichende Ergebnisse. Das Google-Profil der Nutzer und die Hotelempfehlungen ihrer jeweiligen „Freunde“ in irgendwelchen Zirkeln oder Gesichtsbüchern haben Einfluss auf die Trefferliste.

Wie also im Marketing mit irgendwelchen Budgets oder Anzeigen darauf noch Einfluss nehmen? Es geht auf die Dauer nur über die originäre, qualitativ hochwertige Hotelleistung, das positive Feedback der Gäste auf Bewertungsplattformen und der eigenen Homepage und der aktiven Social Media-Nutzung durch das Hotel selbst.

Aber wie kann man sich als auf eine IP-Adresse reduziertes Individuum außer mit regelmäßiger Cache-Leerung und Cookies-Essen gegen diese Personalisierung der Suche wehren, wenn man diese Personalisierung von Werbung und Suchergebnissen gar nicht will, wenn man ein Rest an Privatheit im Netz schützen möchte? Google wäre wohl nicht Google, wenn es hierzu nicht auch ein Produkt entwickelt hätte, sozusagen ein abgespecktes „Google light“: Google Verbatim Search ist eine pure, wörtliche, nicht personalisierte Suche, die wie üblich erst einmal nur in englischer Sprache auf den Markt kommt. Verbatim ist lateinisch und bedeutet „Wort für Wort“.

Im offiziellen Google Search Blog führt der Principal Engineer im Bereich Google Search, die gegenüber der Vollversion deaktivierten Funktionen der Google Search auf:

  • Auto-Korrektur entfällt
  • Personalisierte Suche wird aufgehoben, d.h. Suchfavoriten werden nicht berücksichtigt
  • Synonyme werden nicht mit einbezogen
  • Wortstammbildung wird deaktiviert
  • Optionale Worte wie „circa“ entfallen

Das Downgrading als Schutz der Privatsphäre, Produktinnovation und Befreiungsschlag?


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Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
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