Sternstunden

Hotelführer

Markus Luthe / 22.12 2019

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Blogpost von Markus Luthe zur Hotelklassifizierung

Prof. Dr. Harald Lesch; © BR

Während wir in den nächsten Tagen der Weihnachtsbotschaft lauschen, mag der eine oder andere Gedanke vielleicht auch dahin abschweifen, was es denn astronomisch betrachtet mit dem Stern von Bethlehem auf sich haben könnte? Ist er vielleicht gar sehr real gewesen und mehr als nur ein religiöses Sinnbild und symbolhaftes Storytelling?

Der deutsche Astrophysiker Prof. Dr. Harald Lesch ist den hierzu kursierenden Theorien in einem sehr sehenswerten Beitrag für den Bayerischen Rundfunk einmal nachgegangen. Für ihn kann weder ein Kometenschweif noch eine (Super-)Nova hinter dem Weihnachtsstern stecken.

Eine Planetenkonjunktion, also eine besondere Konstellation der Riesenplaneten Jupiter und Saturn, hält er allerdings nicht für unplausibel und datiert sie auf den Zeitraum vom 3. Oktober bis 4. Dezember des Jahres 7 vor Christi Geburt, so wie sie schon Johannes Keppler am 1. Weihnachtstag des Jahres 1603 errechnete.

Mich haben schon vor einiger Zeit in diesem Zusammenhang auch Fragen aus Branchenperspektive beschäftigt: Aus welchem Grund wird eigentlich weltweit für Hotel-Einstufungen auf die Sterne-Symbolik zurückgegriffen? Was verbindet Aussagen zur Hotelqualität originär mit einer Sterneanzahl? Und warum sind ausgerechnet Sterne die „geborene Währungseinheit“ der Hotellerie?

Zu Weihnachten 2008 habe ich eine Hypothese hierzu in meinem Blog „Unter einem guten Stern“ veröffentlicht – und bislang (!) keinen Widerspruch erfahren. Aus drei Gründen denke ich, dass die Weihnachtsgeschichte des Neuen Testamentes die Erklärung für die Verknüpfung zum Beherbergungsgewerbe bieten könnte:

  1. Es war ein „Stern“, der die Weisen aus dem Morgenland zielsicher zum Stall von Bethlehem führte. Hier ist das Motiv der Wegweisung, der Orientierung in der Fremde, angelegt.
     
  2. Zugleich ist auch noch die Charakterisierung einer besonders einfachen Herberge mit eben genau einem Stern enthalten.
     
  3. Und auch die starke Verbreitung der Sternesymbolik für Hotelkategorien in nahezu allen Ländern der Welt kann meiner Meinung nach ein Indiz für die Bibel als Motivquelle sein.

Für diesen Erklärungshintergrund spricht aus meiner Sicht auch die nachweislich älteste dokumentierte Verwendung einer Sternekennzeichnung für Beherbergungsbetriebe. Sie stammt aus dem Florenz des Jahres 1334 und reicht damit zurück in die Zeit der Bildung von Zünften und der wichtigen Abgrenzung dieser voneinander. Und da die Florentiner Wirte (albergatores) regelmäßig mit den Schlächtern (beccarii), Weinhändlern (vinacterii) und Bäckern (fornai) über Kreuz lagen, regelten kommunale Statuten die Zuständigkeiten.

Diese Zunftstatuten untersagten den Gastwirten beispielsweise, den konkurrierenden Handel mit Tuchen, die Makler- oder Wechseltätigkeit. Sie regelten auch, dass die Wirte ihren Gästen nicht entgegengehen, sie nicht an den Kleidern oder an den Zügeln ihrer Pferde festhalten, sondern sie nur vor der Herberge an der Tür stehend zur Einkehr einladen sollten. Dirnen, Kuppler, Diebe oder Räuber durften nicht aufgenommen werden.

Die „Statuti dell’Arte degli Albergatori della Città e Contado di Firenze“ von 1334 legten zugleich fest, welche Zunft welches Zeichen in ihrem Schilde zu führen hatte. Den Beherbergungsbetrieben wurde ein zinnoberfarbener, achtzackiger Stern vorgeschrieben. Und wer denn nicht vorweisen konnte, der gehörte eben nicht zur Branche:

„Quod nulles possit tenere insignam albergariae nisi fuerit de hac arte.“

Dieser Stern musste auf dem individuellen Gasthausschild vor der Wirtschaft angebracht sein. Er signalisierte dem Reisenden ein Dach über dem Kopf, ein Minimum an Unterbringungskomfort, Haftung für eingebrachte Vermögensgegenstände, die Schiedsgerichtsbarkeit der Beherbergungszunft und – wie könnte es auch anders sein – die Steuerehrlichkeit des Betreibers.

Habere stellectam in sua insignia magna!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und unzählige Sternstunden im neuen Jahr!

 

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Matthäus 2, 1-11

Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.“

 


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© Uli Stein
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Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
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