Out of Reach?

Hotelführer

Markus Luthe / 16.01 2012

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

 

Blog von Markus Luthe zur Online-Distribution

 

 

Der erste Paukenschlag nach der Übernahme von Hotel.de im Oktober letzten Jahres hat nicht lange auf sich warten lassen: HRS hat heute seine Provisionsforderung an die Hotellerie um gleich 2 Prozentpunkte auf nun 15% heraufgesetzt. Zuletzt hatte der Kölner Marktführer im Jahr 2009 von etwa 12,3% auf 13% erhöht. Die Zeiten einer 10%igen Kommissionierung liegen nostalgisch lange zurück.

Zur Schmerzlinderung wartet HRS mit der Neuerung einer GDS-Anbindung über Amadeus zur neuen 15%-Flatrate auf, die in der Tat für eine Reihe von Stadthotels ohne Corporate-Verträge attraktiv ist, für eine flughafenferne Mehrzahl wohl eher nicht. Die Höhe dieser 15,4%igen Provisionssteigerung ist damit nicht zu begründen. Der wahre Grund dieser Demonstration der Stärke liegt zum einen in der nun noch marktbeherrschenderen Stellung und zum anderen in den Gesetzen der Online-Distribution, die die Hotellerie in den letzten Jahren hat einreißen lassen.

Solange Wettbewerber über Merchant-Modelle oder stille Auktionen Provisionen von 20%, 25% oder 35% und mehr erzielen, entsteht unweigerlich ein steter Sog nach oben für die durchschnittlichen Kommissionssätze. Und mit diesen von der Hotellerie selbst finanzierten Budgets, wird dann via Google AdWords den Wettbewerbern und den Hotelhomepages der Traffic „weggekauft“. Bei einer solchen Marktkonstellation: Welches Buchungsportal wird da der Versuchung, die Schraube nach oben in Gang zu setzen, lange widerstehen können? Ein Bruch bisheriger Firmenpolicy zeichnet sich auch in den ab 1. März runderneuerten AGB von HRS ab, wo die Grundlage zur Einführung bislang stets abgelehnter "Top Rankings" gegen Sonderaufschläge gelegt wird. 

Geradezu fatal wirkt sich aus, dass diesem Kostenauftrieb keine systemimmanenten Grenzen gesetzt sind. Die Richterskala der Mittler ist in der Online-Distribution nach oben offen, denn einem immer enger werdenden Oligopol auf der Anbieterseite, steht ein atomistisch strukturierter Hotelmarkt auf der Nachfrageseite gegenüber. Diese gefühlte Ohnmacht und um sich greifende unfaire Marktpraktiken erfüllen die Hotellerie zurecht mit großer Besorgnis. 

Wo ist der Ausweg aus diesem klassischen Gefangendilemma? Ganz sicher muss die Hotellerie weltweit jedenfalls ihren Direktvertrieb konsequent stärken, ihre Homepages mit einzigartigem Content Content Content aufwerten, das Sammeln echter Hotelbewertungen in die eigenen Hände und auf die eigenen Seiten nehmen, ihre Deal-Disziplin verbessern und vor allem die Kundenloyalität stärken.

 

 

www.roomkey.com

 

Oder warten wir auf Hilfe von einem „Weißen Ritter“ von dritter Seite? Nein, diese Rolle wird sicher nicht von Google’s Hotelfinder besetzt, denn der Suchmaschinenriese wird OTAs und Hotellerie noch gleichermaßen Kopfzerbrechen bereiten. Kann die in der letzten Woche von den größten Hotelketten weltweit (Choice, Hilton, Hyatt, Intercontinental, Marriott, Wyndham und Best Western) gelaunchte offene Plattform Roomkey diese Aufgabe übernehmen?

Hierfür müssten allerdings noch einige Schwachstellen dieses neuen Preisvergleichs- und Buchungssystems ausgebügelt werden. Hierzu zählen sicherlich die Marktabdeckung außerhalb der USA (der englischsprachigen Hotelwelt), wettbewerbsfähige Hotelraten, Channel Manager-Anbindung, eine Prise Altruismus der Handelnden und natürlich einzigartiger Content Content Content.


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
23.02 2021 von Markus Luthe
Blocking.com
American Football

Während die Hotellerie weiter händeringend auf die Auszahlung der Novemberhilfen für die Auszahlung der Februarlöhne wartet und von bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reichenden Stufenplänen für den Re-Start schockiert wird, bauen die Hotelportale unterhalb des Branchenradars ihre dominierende Marktposition munter aus, allen voran Booking.com. ...

15.02 2021 von Markus Luthe
Schafft Wissen!
Covid-19-Test

Die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen legen Wert auf die Feststellung, unser Land evidenzbasiert und wissenschaftlich fundiert durch die Corona-Krise und den Lockdown zu führen. Dieses Narrativ wird gerne auch durch Einladungen namhafter Wissenschaftler zu Beginn der jeweiligen Entscheidungsgipfel gepflegt. Umso buchstäblich fragwürdiger ist das dann anschließend verkündete Öffnungsszenario, bei dem Restaurants und Hotels erst ganz, ganz hinten im noch nicht einmal ausgearbeiteten Zeitplan einsortiert werden. Auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten können sich die Entscheidungsträger*innen dabei jedenfalls nicht berufen. ...

28.11 2020 von Markus Luthe
Nullnummer

Die Printausgabe der Welt am Sonntag (WamS) wartet heute mit der Schlagzeile „10.000.000.000 Euro zu viel“ auf und wird damit bei ansonsten noch dürrer Nachrichtenlage am 1. Advent von vielen Medien unreflektiert zitiert. Gestützt auf eine bislang unveröffentlichte Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden vermeintliche Spendierhosen des Bundes kritisiert, der sich im neuerlichen Lockdown großzügiger als nötig geben würde. Vor allem Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe hätten dank der Entschädigung oft mehr, als wenn sie geöffnet hätten. ...