Konjunkturradschläge

Hotelführer

Markus Luthe / 30.10 2008

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

 

 

Blog von Markus Luthe zum Konjunkturprogramm vom 31. Oktober 2008

Angesichts des drohenden – oder bevorstehenden? – Ausstrahlens der Bankenkrise auf die Realwirtschaft kann sich die Bundesregierung der Rat-Schläge geneigter Interessengruppen zur Rettung des Wirtschaftsstandortes Deutschlands kaum noch erwehren. Allen voran fährt die Automobilindustrie mit ihren 750.000 Arbeitsplätzen. Sie hat die Marktentwicklung hin zu sparsameren und kleineren Fahrzeugen verpasst und wird ihren zu hohen Lagerbestand nicht mehr los. Nun soll der Staat intervenieren, die Rolle des Anlassers übernehmen und für Neuanschaffungen die Kfz-Steuer zumindest befristet aussetzen. Aber wie sollen einige hundert Euro Steuerersparnis einen Kaufimpuls setzen, wo die bisherigen Rabattschlachten in Höhe mehrerer Tausend Euro im Zeichen der Überkapazitäten nicht gefruchtet haben? Auch ökologisch wäre ein solches Konjunkturprogramm nur lückenhaft bemäntelt. Sogenannte sind die ordnungs- und klimapolitisch überlegene Alternative. Immerhin werden die ebenso klassischen wie unwirksamen Konjukturprogramme à la 70er Jahre nicht mehr ernsthaft propagiert. Aber auch eingestreute Branchen-Goodies, z. B. für das Handwerk in Form einer Verdoppelung der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen, verfehlen die beabsichtigte Wirkung und lassen sich konjunkturpolitisch nicht rechtfertigen. Da weist die Wiedereinführung der aus fiskalischen Motiven gerade erst abgeschafften degressiven Abschreibung schon eher den Weg in die richtige Richtung – sie ist zumindest weitgehend wirtschaftsstrukturneutral. Aber warum setzen wir nicht auf der Nachfrageseite an, wo es doch gilt, eine Konsumzurückhaltung zu überwinden? Was ist aus den Vorhaben „Mehr Netto für Alle“ oder „Mehr Netto vom Brutto“ geworden? Das Mittel der Wahl zur Konsumankurbelung könnte eine allgemeine Mehrwertsteuersenkung sein. Sie wirkt noch schneller und breiter als eine Einkommensteuersenkung. Und wo wir gerade beim Thema sind: Auch reduzierte Mehrwertsteuersätze sind ein geeignetes wirtschafts- und arbeitsmarktpolitisches Werkzeug. Man wird ja in diesem Zusammenhang noch auf die Relation der Mitteleinsätze und die mehr als 1.000.000 Menschen hinweisen dürfen, die im konjunktursensiblen Gastgewerbe in Deutschland Arbeit finden. Sie gilt es ebenso vor den unverschuldeten Auswirkungen der Bankenkrise zu schützen, auch wenn sich in einer mittelständisch strukturierten Branche Marktaustritte weniger spektakulär und medienwirksam abspielen. Auf dem diesjährigen Tourismusgipfel des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger: „Bevor 150 Euro Zuschuss beim Kauf eines neuen Kühlschrankes zur Konjunkturstimulierung ernsthaft in Erwägung gezogen werden, habe ich jedenfalls kein Problem, mich für den reduzierten Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie stark zu machen.“ Recht hat er!
 
 Ihr


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
23.02 2021 von Markus Luthe
Blocking.com
American Football

Während die Hotellerie weiter händeringend auf die Auszahlung der Novemberhilfen für die Auszahlung der Februarlöhne wartet und von bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reichenden Stufenplänen für den Re-Start schockiert wird, bauen die Hotelportale unterhalb des Branchenradars ihre dominierende Marktposition munter aus, allen voran Booking.com. ...

15.02 2021 von Markus Luthe
Schafft Wissen!
Covid-19-Test

Die Bundesregierung und die Ministerpräsident*innen legen Wert auf die Feststellung, unser Land evidenzbasiert und wissenschaftlich fundiert durch die Corona-Krise und den Lockdown zu führen. Dieses Narrativ wird gerne auch durch Einladungen namhafter Wissenschaftler zu Beginn der jeweiligen Entscheidungsgipfel gepflegt. Umso buchstäblich fragwürdiger ist das dann anschließend verkündete Öffnungsszenario, bei dem Restaurants und Hotels erst ganz, ganz hinten im noch nicht einmal ausgearbeiteten Zeitplan einsortiert werden. Auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Fakten können sich die Entscheidungsträger*innen dabei jedenfalls nicht berufen. ...

28.11 2020 von Markus Luthe
Nullnummer

Die Printausgabe der Welt am Sonntag (WamS) wartet heute mit der Schlagzeile „10.000.000.000 Euro zu viel“ auf und wird damit bei ansonsten noch dürrer Nachrichtenlage am 1. Advent von vielen Medien unreflektiert zitiert. Gestützt auf eine bislang unveröffentlichte Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) werden vermeintliche Spendierhosen des Bundes kritisiert, der sich im neuerlichen Lockdown großzügiger als nötig geben würde. Vor allem Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe hätten dank der Entschädigung oft mehr, als wenn sie geöffnet hätten. ...