Gleich ordentlich distanziert

Markus Luthe / 22.08 2008

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

Blog von Markus Luthe zum Außenwirtschaftsgesetz vom 22. August 2008

Das hat es auch noch nicht gegeben: Das Bundeskabinett beschließt in dieser Woche ein Gesetz und der zuständige Fachminister distanziert sich postwendend vom eigenen Gesetzesentwurf. Überflüssiger geht’s wohl nicht mehr. Was ist passiert?

Es geht um eine Änderung des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) und der Außenwirtschaftsverordnung (AWV), mit der die Bundesregierung das Ziel verfolgt, in Sorge um die öffentliche Ordnung oder Sicherheit ausländische Investitionen ab einer Beteiligung von 25 Prozent untersagen zu können. Sie hat wohl Angst vor ausländischen Staatsfonds außerhalb der EU und des EWR, die sich in heimische Chemie- und Energiekonzerne strategisch einkaufen könnten. Ihr Gesetzentwurf bezieht aber alle Branchen ein.

Nicht einmal Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) vermag einen einzigen Beispielsfall zu benennen, wann die Regierung die neuen Kontrollmöglichkeiten und ihr Vetorecht zur Anwendung bringen könnte. "Ich kann versprechen, dass das Gesetz unter meiner Regie sehr zurückhaltend gehandhabt wird", ist ihm lediglich zu entlocken.

Schwacher Trost und ein ganz schwaches Bild. Denn das Gesetz hat das Potenzial, ausländische Direktinvestitionen in die deutsche Wirtschaft abzuschrecken. Es kann für ausländische Investoren zusätzlichen Kampf mit den gründlichen Mühlen deutscher Bürokratie und entsprechende Ungewissheiten bis zu fünf Monaten nach (!) dem Anteilskauf bedeuten. Auch der Hotelmarkt mit seiner Vielzahl ausländischer Investitionen gerade in letzter Zeit kann so in Mitleidenschaft gezogen werden.

Und ausgerechnet das Bundeswirtschaftsministerium, der einstige Hort des ordnungspolitischen Gewissens der Bundesregierungen, legt den überflüssigen Gesetzentwurf mit Risikopotenzial für Staatseingriffe und Populismus vor. Aber der Minister hat sich ja von seinem eigenen Vorschlag gleich ordentlich distanziert...


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

luthe@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
03.03.2026 von Markus Luthe
Wenn auch dem BGH das Wort von Booking nicht reicht

Der Wikingerhof schreibt Geschichte. Rechtsgeschichte. Und das erneut. Worum geht es in diesem jetzt schon sage und schreibe 11 Jahre andauernden Rechtsstreit, den unser Mitglied aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung des Themas gegen das marktbeherrschende Hotelbuchungsportal führen muss? Im Sommer 2015 verpasste Booking.com dem Hotel ohne Rücksprache geschweige denn Zustimmung ein ebenso marktschreierisches wie wahrheitswidriges Label „Heute X% Rabatt“. In der Folge erhielt das Hotel aufgrund der irregeführten Erwartungshaltung der Gäste umgehend negative Bewertungen. Booking.com wies jegliche Verantwortung für das eigene Handeln ab. Dem Wikingerhof blieb nur, das hinzunehmen oder – mit unserer Unterstützung – den Klageweg zu beschreiten. Glücklicherweise gab das Hotel nicht klein bei!

19.02.2026 von Markus Luthe
Aus P2B mach AGB

Für die Platform-to-Business Regulierung (P2B) haben wir in Brüssel viele Jahre gekämpft. Am 20. Juni 2019 wurde die „Verordnung zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten“ im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Doch dann kam Corona und der Fokus der Branche richtete sich auf andere Themen. Jetzt droht die P2B-Verordnung zu Unrecht ganz unter die Räder zu geraten.

11.11.2025 von Markus Luthe
Unerhört
© DBT / Julia Nowak/ JUNOPHOTO

Der Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags führt am morgigen Mittwoch eine öffentliche Anhörung „Plattformen der Ferienwohnungsökonomie und die Umsetzung der EU-Verordnung zur Kurzzeitvermietung 2024/1028” durch. Auf Vorschlag der Bundestagsfraktionen wurden vier Sachverständige ins Marie-Elisabeth-Lüders-Haus eingeladen. Zwei Wissenschaftler*innen, eine Vertreterin des Deutschen Ferienhausverbandes und eine Unternehmenssprecherin von Airbnb werden den Ausschussmitgliedern für ihre Fragen zur Verfügung stehen. Die vorab eingereichten Stellungnahmen der New Economics Foundation, von Airbnb und Ferienhausverband wurden auf der Website des Tourismusausschusses im Vorfeld hochgeladen. Auch wir haben unaufgefordert eine Stellungnahme für die Hotellerie eingereicht. Da sie jedenfalls bislang noch nicht auf der Internetseite des Bundestages verfügbar gemacht wurde, stellen wir sie hier zum Download barrierefrei zur Verfügung.