Europa ist mehr als der Euro

Markus Luthe / 26.10 2011

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

Blog von Markus Luthe zur Schuldenkrise vom 26. Oktober 2011

Heute ist ein wichtiger Tag für die Europäische Union: Zunächst wird in Berlin im Deutschen Bundestag beschirmt und gehebelt, dann werden beim Brüsseler Gipfel die Interessen der Euro 17 und der EU 27 austariert werden müssen.

Bei den Schwindel erregenden Garantiesummen darf insbesondere auch das Gleichgewicht von heutiger Verantwortung und der Belastung zukünftiger Generationen nicht aus dem Blick verloren werden. Die Lösung der Schuldenkrise ist die Herausforderung unserer Zeit.

Um so mehr Sorgen mache ich mir, dass die notwendigen Auseinandersetzungen zunehmend ins vorurteilbehaftete Grundsätzliche abdriften und bei den Verhandlungen die Nerven zunehmend blanker zutage treten. Es ist jedenfalls in keinster Weise hillfreich, sich gegenseitig oder sich den Partnern gegenüber herablassend zu geben.

Auch wage ich in einem Kernpunkt der Debatte zu widersprechen, da hier meiner Meinung nach argumentativ viel zu kurz gesprungen wird. Die Bundeskanzlerin hat schon vor mehr als einem Jahr in einer Regierungserklärung behauptet: "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa." 

Das ist weder der währungspolitischen Sache und noch der Verankerung der europäischen Idee in der Bevölkerung dienlich, denn Europa ist eben deutlich mehr als ein ökonomisches Kalkül eines (sub-)optimalen Währungsraumes. Die europäische Idee ist so viel älter und stärker als der Euro, dass sie auch einen Schuldenschnitt und eine hoffentlich nicht einsetzende Rezession überstehen würde. Der Euro ist in diesem Sinne nicht systemrelevant.

Die Antwort auf die Krise ist nicht weniger Europa, sondern mehr. Europa muss wieder in das Zentrum auch deutscher Politik rücken und in den Herzen der Menschen ankommen. Die Europäische Union ist nicht vordringlich ein Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany", sondern die friedensbringende und kulturell bereichernde Kraft schlechthin. Die Europäischen Institutionen dürfen nicht nur als bürgerfern und bürokratiegetrieben gescholten werden. Sie verdienen und bedürfen vielmehr unseres tagtäglichen Engagements und Einsatzes, um die europäische Idee zu gestalten und weiter zu entwickeln.

Ich schreibe diesen Blog vom Rande der 63. Generalversammlung unseres europäischen Dachverbandes HOTREC


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

luthe@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
03.03.2026 von Markus Luthe
Wenn auch dem BGH das Wort von Booking nicht reicht

Der Wikingerhof schreibt Geschichte. Rechtsgeschichte. Und das erneut. Worum geht es in diesem jetzt schon sage und schreibe 11 Jahre andauernden Rechtsstreit, den unser Mitglied aufgrund der grundsätzlichen Bedeutung des Themas gegen das marktbeherrschende Hotelbuchungsportal führen muss? Im Sommer 2015 verpasste Booking.com dem Hotel ohne Rücksprache geschweige denn Zustimmung ein ebenso marktschreierisches wie wahrheitswidriges Label „Heute X% Rabatt“. In der Folge erhielt das Hotel aufgrund der irregeführten Erwartungshaltung der Gäste umgehend negative Bewertungen. Booking.com wies jegliche Verantwortung für das eigene Handeln ab. Dem Wikingerhof blieb nur, das hinzunehmen oder – mit unserer Unterstützung – den Klageweg zu beschreiten. Glücklicherweise gab das Hotel nicht klein bei!

19.02.2026 von Markus Luthe
Aus P2B mach AGB

Für die Platform-to-Business Regulierung (P2B) haben wir in Brüssel viele Jahre gekämpft. Am 20. Juni 2019 wurde die „Verordnung zur Förderung von Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten“ im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Doch dann kam Corona und der Fokus der Branche richtete sich auf andere Themen. Jetzt droht die P2B-Verordnung zu Unrecht ganz unter die Räder zu geraten.

11.11.2025 von Markus Luthe
Unerhört
© DBT / Julia Nowak/ JUNOPHOTO

Der Tourismusausschuss des Deutschen Bundestags führt am morgigen Mittwoch eine öffentliche Anhörung „Plattformen der Ferienwohnungsökonomie und die Umsetzung der EU-Verordnung zur Kurzzeitvermietung 2024/1028” durch. Auf Vorschlag der Bundestagsfraktionen wurden vier Sachverständige ins Marie-Elisabeth-Lüders-Haus eingeladen. Zwei Wissenschaftler*innen, eine Vertreterin des Deutschen Ferienhausverbandes und eine Unternehmenssprecherin von Airbnb werden den Ausschussmitgliedern für ihre Fragen zur Verfügung stehen. Die vorab eingereichten Stellungnahmen der New Economics Foundation, von Airbnb und Ferienhausverband wurden auf der Website des Tourismusausschusses im Vorfeld hochgeladen. Auch wir haben unaufgefordert eine Stellungnahme für die Hotellerie eingereicht. Da sie jedenfalls bislang noch nicht auf der Internetseite des Bundestages verfügbar gemacht wurde, stellen wir sie hier zum Download barrierefrei zur Verfügung.