An den Kragen gehen

Hotelführer

Markus Luthe / 18.02 2009

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

 

 

Blog von Markus Luthe zur Weiberfastnacht vom 19. Februar 2009

Keine Sorge - eine Krawatte trage ich heute selbstverständlich nur auf dem Archivfoto. An Weiberfastnacht würden mich meine Damen zuhause auch niemals vor die Türe treten lassen, ohne mir buchstäblich an den Kragen zu gehen. Schließlich ist meine älteste Tochter vor dem Verbandsumzug zu Bonner Zeiten noch mit Rheinwasser getauft worden! Sie hat mir in der karnevalistischen Diasporas Berlins aus lauter närrischem Verdruss sogar schon einmal eine Papierkrawatte gebastelt und umgehängt, nur um sie sofort unter martialischem Jubel per Schere gleich wieder schrittweise einzukürzen… Jetzt scheinen für die Krawatte aber auch außerhalb der fünften Jahreszeit und unabhängig von allfälligen Modezyklen schwere Zeiten anzubrechen: So kolportierte jüngst die , dass US-Präsident Barack Obama alte Zöpfe strenger Bekleidungsvorschriften im Oval Office abgeschnitten und die Anzug- und Krawattenpflicht im Weißen Haus gleich als eine seiner ersten Amtshandlungen aufgehoben habe. Japan hat sich die Krawatte gar als Klimakiller vorgeknöpft, denn das japanische Umweltministerium macht folgende Rechnung auf: Wenn Nippons Angestellte bei sommerlichen 28 Grad auf legere Kleidung ohne Krawatte und Jackett statt auf klimatisierte Kühlschranktemperaturen in den Büros setzten, ließe sich der CO2-Ausstoß des Landes um 1,4% senken. Die auf die Einsicht folgende Regierungskampagne lautete „Cool biz“ und soll einen kurzärmeligen Mehrumsatz von 4,2 Mrd. Euro in der Bekleidungswirtschaft ausgelöst haben. Vielleicht wirkt ein Krawattenverzicht ja auch gegen die globale Wirtschaftskrise? Da kann Deutschland sich, äh: sie natürlich nicht hängen lassen. So folgt das Landgericht Mannheim in zwei aktuellen Entscheidungen dem globalen Trend und lockerte die Kleiderordnung für Anwälte: Das Amtsgericht Mannheim hatte im Oktober 2008 einen Anwalt vor Gericht unter Verweis auf eine Rechtsverordnung des Justizministeriums Baden-Württemberg aus dem Jahr 1976 in einer Hauptverhandlung zurückgewiesen, da er unter seiner geschlossenen Robe zwar einen Anzug und ein Hemd in dezenter Farbe, nicht aber eine Krawatte getragen habe. Der Anwalt hatte sich auch nicht dazu bereit gefunden, eine ihm von dritter Seite angebotene Krawatte anzulegen. Der anwaltlichen Stillosigkeit wurde nun letztinstanzlich seitens des Landgerichts Mannheim unter Verweis auf den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit stattgegeben, da das Fehlen der Krawatte nicht geeignet gewesen sei, die Würde des Amtsgerichts herabzusetzen. Alaaf, Helau und na ja, auch: Heijo! 
 

 Ihr


0 Kommentare
Geschrieben von
Markus Luthe
Dipl.-Volkswirt / Hauptgeschäftsführer
Hotelverband Deutschland (IHA)

office@hotellerie.de
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
23.05 2021 von Markus Luthe
Das Ende der Ratenparitätssaga
Bundesgerichtshof_Urteilsverkündung 18. Mai 2021

Am vergangenen Dienstag hat die schier unendliche Ratenparitätssaga ein deutliches Ende gefunden: Der Kartellsenat des Bundesgerichtshofs hat die Zerstörung des Kartellrechts gestoppt und den Skandalbeschluss des OLG Düsseldorf vom 4. Juni 2019 zugunsten von Booking.com endgültig einkassiert. Der BGH-Beschluss (Az. KVR 54/20) vom 18. Mai 2021 weist die Portalökonomie in die wettbewerbsrechtlichen Schranken und wird zweifelsohne Rechtsgeschichte schreiben.

26.04 2021 von Markus Luthe
Offenbarungseid
Insolvenz

Die deutsche Hotellerie, die deutsche Wirtschaft schliddert in Richtung eines ganz entscheidenden Datums: Just mit dem „Tag der Arbeit“ am 1. Mai werden viele Unternehmen in Deutschland entscheiden müssen, ob sie noch einen Ausweg aus der Corona-Krise sehen oder ihren Kampf ums Überleben und die Arbeitsplätze verloren geben müssen.

23.02 2021 von Markus Luthe
Blocking.com
American Football

Während die Hotellerie weiter händeringend auf die Auszahlung der Novemberhilfen für die Auszahlung der Februarlöhne wartet und von bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag reichenden Stufenplänen für den Re-Start schockiert wird, bauen die Hotelportale unterhalb des Branchenradars ihre dominierende Marktposition munter aus, allen voran Booking.com. ...