Gäste befragen - aber richtig!

Gast Author / 15.09 2011

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

Gastblog von Michael Toedt zu Gästefragebögen

Fast jedes Hotel hat ihn, den Gästefragebogen. Schließlich ist er ja auch Bestandteil der Deutschen Hotelklassifizierung und das aus gutem Grund. Ein Hotelier sollte schließlich wissen, wie seine Gäste das Hotel sehen und was verbessert werden sollte.

Immer mehr Hotels verwenden hierfür Onlinefragebögen, die dem Gast automatisch nach Abreise per Email zugeschickt werden. So weit so gut. Doch hier beginnt schon das Problem, zumindest wenn man sich mit Zahlen auseinandersetzt und aussagekräftige Analysen erstellen möchte. Dies ist bei kaum einem Hotel möglich.

Warum? Ganz einfach, die Fragebögen sind i.d.R. anonymisiert. Für eine aussagekräftige Analyse ist es aber eine Grundvoraussetzung, dass das Gastsegment, der jeweilige Kundenwert (Stammgast oder Erstkunde) oder der Grund der Reise bekannt sind. Nur dann sind die Analysen nachhaltig und auch brauchbar.

Ein kleines Beispiel: Der Eigentümer eines Wellnesshotels budgetierte einen mittleren sechsstelligen Betrag für den Ausbau seines bereits schon extrem hochwertigen Wellness-Bereichs. Der Grund hierfür waren die relativ moderaten Bewertungen auf den Gästefragebögen. Bevor jedoch eine finale Entscheidung getroffen wurde, wurden wir gebeten die Fragebögen weiter zu analysieren und die Fragebogenergebnisse an das jeweilige Gastprofil zu hängen. Ergebnis: die Kernzielgruppe des Hotels mit einem Umsatzanteil von über 90%, die wohlsituierten Wellnessgäste, war mit dem Produkt höchst zufrieden. Eine andere Gästegruppe, nämlich Familien mit Kindern, die überhaupt nicht im Fokus des Hoteliers stand, zog die Bewertungen übermäßig nach unten.

Ergebnis der Analyse war, dass man sich gegen den unnötigen Ausbau entschied, was einer Einsparung von 500.000 € gleichkam. Diese Entscheidung konnte aber nur getroffen werden, da die Bewertungen richtig interpretiert und ausgewertet werden konnten.

Was sollte man daraus lernen? Auch etwas auf den ersten Blick so simples wie ein Gästefragebogen, gehört in einen Kontext gesetzt. Nachfolgend eine kleine Checkliste, damit Sie die größten Fehler im Zusammenhang mit Gästefragebögen vermeiden können:

  • Nutzen Sie gerade Skalen für Ihre Fragen. Am besten nutzen Sie eine 8er oder 10er Skala. Sie wollen ja schließlich eine klare Aussage und eine „1“ auf einer 10er Skala zu erhalten ist bedeutend schwerer, als z.B.  auf einer 5er Skala. „Fishing for Compliments“ ist bei Gästefragebögen nicht zielführend!

  • Lassen Sie den Gast gewichten, wie wichtig der jeweils bewertete Bereich ist. Vielleicht ist Ihr Geschäftskunde mit dem Frühstück nicht 100% zufrieden, aber u. U. ist es ihm auch unwichtig, weil er nur selten Zeit hat im Hotel zu frühstücken.

  • Der Fragebogen muss an das Gastprofil gelinkt werden können, ansonsten können keine fundierten Aussagen getroffen werden

  • Der Versand muss regelbasiert sein, ansonsten verärgern Sie Ihre Stammgäste mit einem übermäßigen Versand.

  • Negativ bewertete Fragebögen erfordern ein Follow-Up.

Die Zukunft der Gästebefragung findet sicher online und immer weniger offline statt. Ideal wäre es, wenn weitere Bewertungsportale ihre Standard-Fragenkataloge kostenlos für individuelle Add-ons von Hoteliers öffnen würden. Dann könnte neben dem Nutzen aus einer verbesserten Gästekenntnis auch noch ein optimiertes Pageranking resultieren.


0 Kommentare
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
22.04.2026 von Gast Author
Erfolgsfaktor Datenmanagement

„Wir haben heute mehr Systeme im Hotel als je zuvor, aber oft trotzdem keine gemeinsame Sicht auf unsere Daten.“

Dieser Gedanke beschreibt ziemlich treffend, wo viele Häuser aktuell stehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie konsequent die Branche in Technologie investiert hat. Kaum ein Hotel kommt heute ohne PMS, RMS, CRM, POS, Channel Manager oder spezialisierte Marketing Tools aus. Die Systemlandschaft ist moderner denn je und viele Häuser haben sich technologisch ein Setup aufgebaut, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Und trotzdem bleibt oft ein unterschwelliges Gefühl zurück, dass etwas nicht ganz rund läuft. Denn während die Systeme auf dem neuesten Stand sind, wirkt der Umgang mit Daten häufig erstaunlich fragmentiert. Man arbeitet mit modernen Tools, aber Entscheidungen basieren nicht selten auf unterschiedlichen Datenständen, eigenen Excel-Logiken oder individuellen Interpretationen von Kennzahlen.

15.12.2025 von Gast Author
Beschäftigungsbarrieren

Gastronomie ist meine Leidenschaft und Inklusion durch meinen familiären Hintergrund ein Herzensanliegen von mir. Aus diesem Grund habe ich mich nach meinem Rückzug als CEO bei der B&B HOTELS Group einem ganz besonderen Projekt verschrieben: Mit meinem Co-Gründer Roland Braza bin ich angetreten, ein Inklusionsprojekt in der freien Wirtschaft zu etablieren und gelebte Teilhabe in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Denn in der Privatwirtschaft findet Inklusion fast gar nicht statt.

28.10.2025 von Gast Author
Über das Pilotprojekt hinaus: Von KI-Experimenten zur Transformation von Hotels

Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) in unserer Branche hat sich von der Frage des Ob auf die des Wie verlagert. Unsere aktuelle Studie, die auf einer Umfrage bei 80 Hotels im Sommer 2025 basiert, bestätigt diese Dynamik: Über 70 % der Befragten halten KI für den Erfolg ihres Hotels innerhalb der nächsten zwei Jahre für wichtig.

Allerdings besteht eine klare und signifikante Lücke zwischen dem Bewusstsein für KI und der formalen strategischen Umsetzung. Während fast 40 % von Ihnen KI im Rahmen breiterer Digitalisierungsbemühungen diskutieren, hat nur eine kleine Minderheit (9 %) diese Themen in einem formalen Strategiedokument verankert. Diese Trägheit schafft eine KI-"Experimentierfalle".