Mehr Transparenz wagen!

Gast Author / 10.03 2014

icon min Lesezeit

icon 0 Kommentare

Zurück

 

Gastblog von Otto Lindner* zur Hotellerie als Arbeitgeber

* Der Autor ist Vorstand der und 2. stellv. Vorsitzender des Hotelverbandes Deutschland (IHA).

Gerade noch hat die neue Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke (SPD), gefordert, dass die Hotellerie und Gastronomie sich von dem „Schmuddel-Image“ befreien müsse. Aber ist unsere Branche wirklich so schlecht wie immer wieder behauptet, oder haben wir eher ein kommunikatives Problem aufgrund einiger schwarzer Schafe verbunden mit schlechter Öffentlichkeitsarbeit?

Vor einigen Jahren noch von vielen Hoteliers gefürchtet, ist heute der Umgang mit Kritiken unserer Gäste auf HolidayCheck und Co. für uns so selbstverständlich wie Onlinebuchungen. Diese Gäste-Feedbacks halten unzensiert den Spiegel vor unsere Dienstleistungen und erzwingen so ständige Verbesserungen. Viele Gäste nehmen diese Bewertungen als die wichtigste Hilfe für ihre Buchungsentscheidung. Wir als Lindner Hotels & Resorts gehen völlig transparent und offen damit um und sammeln sämtliche Bewertungen auf allen verfügbaren Portalen ein, um sie dann vollständig auf unserer Homepage dem Gast zur Verfügung zu stellen. Wir nennen diese Transparenz auf unserer Website mit einem Augenzwinkern „Lindner Bettgeschichten“.

  http://www.lindner.de/de/hotelbewertungen/

Wir meinen, dass dies ein hervorragender Benchmark auch für andere Bereiche unserer täglichen Aufgabenstellungen sein kann, insbesondere bei der Akquise neuer Mitarbeiter. Die Anzahl der Arbeitgeberbewertungs-Plattformen wie kununu.de wachsen zu Recht und bilden die Meinung unserer Mitarbeiter öffentlich ab. Das kann uns gefallen, oder auch nicht.

Wir werden diese öffentliche Bewertung unserer Arbeitgeberqualität jedenfalls nicht aufhalten können, genau so wenig, wie es den Hoteliers bei HolidayCheck & Co gelungen ist. Für uns als Lindner Hotels & Resorts steht fest, dass wir diese Entwicklung im Netz nicht als Problem, sondern als Chance zur ungeschönten Darstellung der Realität in unserer Branche nutzen müssen und so auch unser Image verbessern können. Denn die Hotellerie ist gar nicht so ein schlechter Arbeitgeber, wie immer wieder verkündet wird.

Wir als Lindner Hotels & Resorts sind z.B. unheimlich stolz darauf, dass wir gerade eine hervorragende Platzierung im Ranking „Die besten Arbeitgeber Deutschlands“ (Platz 21 von 2.000 Unternehmen) erzielt haben. Genau das nehmen wir als weitere Motivation, um unsere Mitarbeiter noch mehr zu ermutigen, ihr Feedback auf den Bewertungsplattformen im Internet zu veröffentlichen. Im Rahmen der jährlichen „Mitarbeiterzufriedenheitsumfrage“ (typisch deutsches Wort, das wir mit LSI abkürzen, unser „Lindner Satisfaktion Index“) haben wir bereits von unseren aktuellen Mitarbeitern ein tolles Feedback erhalten. Dies möchten wir auch auf die Ehemaligen ausdehnen, indem sie uns ohne jede Einflussnahme öffentlich bewerten.

Ganz klare Vorteile in diesem Vorgehen sehen wir in folgenden vier Punkten:

  1. Zufriedene Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter – authentischer geht es nicht!
     
  2. Die Bewertungen stellen die Arbeit in der Hotellerie so dar, wie sie wirklich ist – neben den unbestreitbar nicht von allen geliebten Arbeitszeiten werden so auch all ihre Vorzüge kommuniziert.
     
  3. Wir erreichen unsere potenziellen Nachwuchskräfte dort, wo sie sich gerne und häufig aufhalten – im Netz.
     
  4. Und last but not least: So kann sich jeder potentielle Bewerber sein eigenes Bild machen und die schwarzen Schafe der Branche selber identifizieren, bevor sie oder er es erst im neuen Job bemerken.
     

0 Kommentare
Sei der erste der kommentiert

Kommentar hinzufügen

×
Name ist erforderlich!
Geben Sie einen gültigen Namen ein
Gültige E-Mail ist erforderlich!
Gib eine gültige E-Mail Adresse ein
Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Weitere
22.04.2026 von Gast Author
Erfolgsfaktor Datenmanagement

„Wir haben heute mehr Systeme im Hotel als je zuvor, aber oft trotzdem keine gemeinsame Sicht auf unsere Daten.“

Dieser Gedanke beschreibt ziemlich treffend, wo viele Häuser aktuell stehen. Die letzten Jahre haben gezeigt, wie konsequent die Branche in Technologie investiert hat. Kaum ein Hotel kommt heute ohne PMS, RMS, CRM, POS, Channel Manager oder spezialisierte Marketing Tools aus. Die Systemlandschaft ist moderner denn je und viele Häuser haben sich technologisch ein Setup aufgebaut, das vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Und trotzdem bleibt oft ein unterschwelliges Gefühl zurück, dass etwas nicht ganz rund läuft. Denn während die Systeme auf dem neuesten Stand sind, wirkt der Umgang mit Daten häufig erstaunlich fragmentiert. Man arbeitet mit modernen Tools, aber Entscheidungen basieren nicht selten auf unterschiedlichen Datenständen, eigenen Excel-Logiken oder individuellen Interpretationen von Kennzahlen.

15.12.2025 von Gast Author
Beschäftigungsbarrieren

Gastronomie ist meine Leidenschaft und Inklusion durch meinen familiären Hintergrund ein Herzensanliegen von mir. Aus diesem Grund habe ich mich nach meinem Rückzug als CEO bei der B&B HOTELS Group einem ganz besonderen Projekt verschrieben: Mit meinem Co-Gründer Roland Braza bin ich angetreten, ein Inklusionsprojekt in der freien Wirtschaft zu etablieren und gelebte Teilhabe in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Denn in der Privatwirtschaft findet Inklusion fast gar nicht statt.

28.10.2025 von Gast Author
Über das Pilotprojekt hinaus: Von KI-Experimenten zur Transformation von Hotels

Die Diskussion um Künstliche Intelligenz (KI) in unserer Branche hat sich von der Frage des Ob auf die des Wie verlagert. Unsere aktuelle Studie, die auf einer Umfrage bei 80 Hotels im Sommer 2025 basiert, bestätigt diese Dynamik: Über 70 % der Befragten halten KI für den Erfolg ihres Hotels innerhalb der nächsten zwei Jahre für wichtig.

Allerdings besteht eine klare und signifikante Lücke zwischen dem Bewusstsein für KI und der formalen strategischen Umsetzung. Während fast 40 % von Ihnen KI im Rahmen breiterer Digitalisierungsbemühungen diskutieren, hat nur eine kleine Minderheit (9 %) diese Themen in einem formalen Strategiedokument verankert. Diese Trägheit schafft eine KI-"Experimentierfalle".