Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht: Normale Hotelbuchungen drohen Pauschalreise zu werden

23.08.2016 | Pressemitteilung des Hotelverbandes Deutschland (IHA)
© ClipDealer
© ClipDealer

Bei der heutigen Verbändeanhörung im Bundesjustizministerium zur Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht kritisierte der Hotelverband Deutschland (IHA) den Gesetzesentwurf als unangemessen und unverhältnismäßig. „Auf die ohnehin schon überzogenen Vorgaben der EU-Richtlinie sattelt der Referentenentwurf noch drauf. So erklärt die Bundesregierung auch Einzelreiseleistungen wie Hotelbuchungen zu Pauschalreisen. Wo noch nationaler Umsetzungsspielraum besteht, setzt die Bundesregierung ihn konsequent gegen die Interessen der mittelständisch geprägten Hotellerie und einseitig für einen falsch verstandenen Verbraucherschutz ein“, moniert Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbandes.

Der Gesetzentwurf, der das Regelwerk der gesamten Tourismuswirtschaft reformieren soll, enthält zudem eine Fülle schwammiger und schlicht unverständlicher Vorschriften, „Selbst den Passagen, bei denen sich das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz um eine originalgetreue Umsetzung bemüht, fehlt es an Rechtsklarheit und -sicherheit. Die ebenso mögliche wie gebotene Einbeziehung von Ferienwohnungen dagegen unterlässt die Bundesregierung und verschärft damit wieder einmal die Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Hotellerie“, so Lindner.

Selbst Tagesreisen mit einem Wert von mehr als 75 Euro gelten als Pauschalreisen. „Wenn Gäste im Hotel vor Ort noch einen Tagesausflug dazu buchen, müssten sie demzufolge denselben bürokratischen Formalismus über sich ergehen lassen, als ob sie ihren Jahresurlaub erneut buchten. Dafür haben weder Gäste noch wir als Gastgeber Verständnis“, kritisiert Lindner.

„Es passt ins Bild, dass der Gesetzgeber zugleich auch noch das Bußgeld für Hoteliers, die Kundengelder ohne Insolvenzabsicherung annehmen, um das Sechsfache von 5.000 auf 30.000 Euro erhöhen will. Aufgrund der unklaren Rechtslage kann der Hotelier aber nicht einmal wissen, ob es sich bei seinem Angebot um eine Pauschalreise handelt. Rechtstreitigkeiten, Bürokratie und Zusatzkosten sind unweigerlich vorprogrammiert“, macht der IHA-Vorsitzende Lindner deutlich und fordert: „Die Bundesregierung muss den Gesetzentwurf zurückziehen und noch einmal grundlegend überarbeiten.“

PM 2016-08-23 Normale Hotelbuchungen drohen Pauschalreise zu werden


Weitere
21.10.2026
Statement von Markus Luthe zur Einleitung eines förmlichen Verfahrens gegen Booking.com seitens der EU-Kommission

„Die Kommission hat endlich ein förmliches Verfahren gegen Booking.com nach dem Digital Services Act eröffnet. Wer den Kanal zum Gast kontrolliert, kann die Verantwortung für dessen Sicherheit nicht einfach auf Hotels und Gäste abwälzen. Sicheres Buchen darf kein Glücksspiel sein.“

16.09.2026
Roadshow „IHA vor Ort": „MICE in der Hotellerie - Wer steuert das Geschäft?"

Das MICE-Segment – Meetings, Incentives, Conventions und Events – zählt zu den wirtschaftlich bedeutsamsten Bereichen der Hotellerie und befindet sich in einem tiefgreifenden digitalen Wandel. Mit seinem etablierten Veranstaltungsformat „IHA vor Ort“: „MICE in der Hotellerie – Wer steuert das Geschäft?" widmet sich der Hotelverband Deutschland (IHA) im Herbst 2026 an sechs Standorten den aktuellen Entwicklungen im MICE-Vertrieb. Die kostenfreien, praxisorientieren Halbtagesformate (14:00–18:00 Uhr) mit Best Practices, Impulsen und Raum für Diskussionen richten sich an Manager und Führungskräfte der Tagungs- und Kongresshotellerie. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

15.09.2026
HOTREC-Distributionsstudie 2026: Europäischer OTA-Markt weiterhin hoch konzentriert

Der europäische Hotelvertrieb bleibt direktvertriebsgetrieben und ist zugleich so konzentriert wie nie. 85 Prozent aller OTA-Buchungen in Europa laufen über zwei Plattformkonzerne, in Deutschland hält Boo-king Holdings sogar 70,5 Prozent des OTA-Marktes. Das ist der Kernbe-fund der am Dienstag vorgestellten European Hotel Distribution Study 2026 von HOTREC, für die Prof. Roland Schegg von der HES-SO Valais-Wallis gemeinsam mit den nationalen Hotelverbänden zwischen Februar und Mai 2026 Angaben von 2.713 Hotels für das Referenzjahr 2025 ausgewertet hat.