"Vier Sterne und kein Halleluja"

24.07 2016
Hotelführer
Foto: Erfurths Bergfried Ferien und Wellnesshotel Hinterzarten
Foto: Erfurths Bergfried Ferien und Wellnesshotel Hinterzarten

Leserbrief von Myriam Erfurth, Erfurth's Bergfried Ferien- und Wellnesshotel Hinterzarten

Die Welt am Sonntag leitet ihren Artikel „Vier Sterne und kein Halleluja“ von Nicole Quint in der gestrigen Ausgabe mit den Worten ein, er sei eine „sehr subjektive Abrechnung“. In der Tat: Der Beitrag provoziert, ist maßlos, pauschal und herabsetzend.

Myriam Erfurth, Geschäftsführerin von Erfurth’s Bergfried Ferien- und Wellnesshotel in Hinterzarten hat der WamS-Redaktion umgehend einen – subjektiven – Leserbrief geschrieben, den wir Ihnen nachstehend wiedergeben wollen:

Redaktion Welt am Sonntag

z.H. Herrn Stefan Aust

Axel-Springer-Straße 65

10969 Berlin 

Sehr geehrter Herr Aust,

sehr geehrte Frau Quint,

mit großem Entsetzen und voller Fassungslosigkeit las ich Ihren Artikel „Vier Sterne und kein Halleluja“ von Frau Nicole Quint, in der Welt am Sonntag, Ausgabe Nr. 30 vom 24.07.2016.

Selten habe ich einen solchen subjektiven und beleidigenden Bericht gelesen und es ist mir unerklärlich, wie so etwas überhaupt gedruckt und veröffentlicht werden kann.

Ich stamme aus einer Hoteliers Familie und führe selbst gemeinsam mit meinem Partner und meinen Eltern ein 4****S Ferien & Wellnesshotel in Hinterzarten im Schwarzwald. Sie dürfen versichert sein, der Standard und die Qualität unseres Hauses, sowohl in Bezug auf die Hardware als auch auf die Software, übersteigt viele Ihrer sogenannten „Luxushotels“. Nur um einmal einige Ihrer Beispiele zu wiederlegen. Unsere Gäste speisen von Silberbesteck der traditionsreichen Firma Christofle aus Frankreich, unsere Bettwäsche sowie unsere „Kissenbar“ bei der die Gäste aus den verschiedensten Kopfkissen wählen können, kommt von der Firma Mühldorfer. Alle Hotelzimmer sind mit Möbeln der Firma Selva aus Italien eingerichtet, die Matratzen stammen aus Frankreich von der Firma Treca bzw. FBF, ein hochwertiger Haarfön der Marke Braun liegt „lose“ im Badezimmer parat, die guest supplies der Linie „Pure Herbs“ erwerben wir bei der Firma ADA und in unserer SPA-Abteilung verwöhnen wir unsere Gästen mit Beauty Produkten der Firma BABOR aus Aachen. Noch Seitenweise könnte ich diese Aufzählung fortführen und müsste mich nicht auch nur für einen unserer Lieferanten schämen. Seit Jahren sind wir Mitglied der Vereinigung „Schmeck den Süden“ und beziehen unsere Lebensmittelprodukte zu 75% aus der Region. Auf unserem Frühstücksbuffet werden Sie Firmen wie Nestle oder Unilever etc. vergeblich suchen und alle Frühstückseier werden à la minute für unsere Gäste frisch zubereitet.

Und wir stehen damit bei weitem nicht alleine im 4 Sterne Segment da. Etliche Kollegen könnte ich Ihnen nennen die ihre Häuser auf demselben hohen Niveau führen. Bei der Menge an Hotels, die heute neu eröffnen, und der Summe die in den vergangenen Jahren in der Hotellerie investiert wurde kann sich kein Unternehmer leisten, ein Haus dieser Beschreibung erfolgreich zu führen. Genauso allerdings könnte ich Ihnen eine ganze Hand voll sogenannter „Luxushotels“ benennen die sich mit 5 Sternen schmücken, deren Glanz leider vor einigen Jahren erloschen ist und genau das wiederspiegeln, was Sie sehr geehrte Frau Quint, in Ihrem Artikel berichten.

Aber nicht genug, dass Sie uns und unsere Häuser in ein schlechtes Licht rücken, nein, Sie beleidigen auch noch unsere Gäste sowie unsere Mitarbeiter. Unser Hotel erfreut sich vieler sehr guter „echter und realer“ Bewertungen von Gästen auf verschiedenen Plattformen im Internet. Darin werden vor allem die Freundlichkeit und der unaufdringliche Service unserer motivierten Mitarbeiter gelobt. Böse Zungen behaupten ja, wie es in den Wald reinschreit so kommt es auch wieder heraus. Vielleicht sind Sie, liebe Frau Quint den Mitarbeitern bisher mit solcher Arroganz und Herablassung entgegen getreten, dass die armen gar keine andere Wahl hatten, als Ihnen die kalte Schulter zu zeigen. Da würde mich persönlich ja interessieren, ob Sie zu den 3,5 % gehören die sich ein „Luxushotel“ leisten können und daher so von oben herab sind oder aber das Ganze aus Frust herrührt, weil Sie sich das eben finanziell nicht gönnen können.

Unsere Gäste und somit laut Ihrer Zahl die verbleibenden 96,5% der Deutschen als „NRT“ zu bezeichnen finde ich jedoch besonders herablassend. Wie bereits erwähnt, komme ich aus einer Hoteliers Familie, diese Abkürzung ist mir jedoch noch nie untergekommen und es würde mir im Traum nicht einfallen Kunden so zu kategorisieren. Viele unserer Gäste können sich durchaus Urlaub in einem 5 Sterne Hotel leisten oder sind von eben diesen auf die 4 Sterne Hotellerie umgestiegen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, würde man sich in der Hotellerie auskennen. Viele 5 Sterne Häuser sind heute runter gewirtschaftet, haben sich im Glanz der Hochzeiten der Grandhotels ausgeruht und das Investieren vergessen, sie spiegeln die Beschreibung Ihres Berichtes am Anfang wieder. Währenddessen haben die kleinen und privaten Hotels hohe Summen in Ihre Häuser investiert, sei in die Ausstattung oder auch in die Fortbildung Ihrer Mitarbeiter. Eines der häufigsten Komplimente, die wir von unseren Gästen erhalten, ist die Aussage, dass sie besonders die lockere und entspannte Atmosphäre in unserem Haus genießen, die eben nicht so steif und unpersönlich ist wie in vielen 5-Sterne Hotels.

Dieser Bericht ist dermaßen subjektiv und voreingenommen, wie wenn man die Behauptung aufstellen würde, dass man sich über diesen Artikel nicht zu wundern braucht, da Ihre Zeitung dem Axel Springer Verlag angehört.

Unser Abo der Welt, von der wir täglich 5 Ausgaben für unsere Gäste erhalten, werden wir nach diesem Bericht umgehend abbestellen.

Mit enttäuschten Grüßen aus dem Schwarzwald

Myriam Erfurth

-Geschäftsführerin-

Erfurths Bergfried GmbH

Quelle: WamS

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