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18.08.2022
Hotelführer

Blogpost "Sternstunde" von Markus Luthe zur Geschichte der Hotelsterne

Illustration Mariana Starke, Letters from Italy 1792-1798; Quelle: https://regency-explorer.net/wp-content/uploads/2020/05/00-Intro.jpg

„Der Sommer ist die beste Zeit für ungetrübte Sternebeobachtung – und damit auch für einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Hotelsterne. Konkret angeregt zu dieser kleinen Sternstunde wurde ich von einer jüngst erschienenen Recherche von James Langton zur bekanntermaßen nur vermeintlichen 7-Sterne-Klassifizierung des Burj Al Arab in Dubai. Der Artikel enthielt für mich erstmals einen Hinweis auf die englische Reiseschriftstellerin Mariana Starke (1762-1838), aber dazu später mehr.

Erst einmal führt die Zeitreise zurück in das Florenz des Jahres 1334, wo ich die nachweislich älteste dokumentierte Verwendung einer Sternekennzeichnung für Beherbergungsbetriebe gefunden habe. Zu dieser Zeit bildeten sich die Zünfte heraus und die Gewerbe grenzten sich voneinander ab. Die „Statuti dell’Arte degli Albergatori della Città e Contado di Firenze“ von 1334 legten fest, welche Zunft welches Zeichen in ihrem Schilde zu führen hatte.

Den Beherbergungsbetrieben wurde ein zinnoberfarbener, achtzackiger Stern vorgeschrieben. Und wer den Stern buchstäblich nicht in seinem Schilde führte, der gehörte eben nicht zur Branche: „Quod nulles possit tenere insignam albergariae nisi fuerit de hac arte.

Ein Bild, das Text, Königin enthält. Automatisch generierte Beschreibung
Die Sterne waren ein erstes Qualitätskennzeichen, das schon damals den Reisenden Orientierung geben sollte - auch wenn die konkreten Kriterien aus heutiger Sicht eher ein Schmunzeln aufs Antlitz zaubern. Denn die Zunftstatuten regelten zum Beispiel, dass die Wirte ihren Gästen nicht in der Straße entgegengehen, sie nicht an den Kleidern oder an den Zügeln ihrer Pferde festhalten, sondern sie nur vor der Herberge an der Tür stehend zur Einkehr einladen sollten. Dirnen, Kuppler, Diebe oder Räuber durften nicht aufgenommen werden... Der achtzackige Stern signalisierte dem Reisenden also ein Dach über dem Kopf, ein Minimum an Unterbringungskomfort, Haftung für eingebrachte Vermögensgegenstände, die Schiedsgerichtsbarkeit der Beherbergungszunft und natürlich die Steuerehrlichkeit des Betreibers.

Dann verschwanden die Hotelsterne im Laufe der Jahrhunderte aus dem öffentlichen Bewusstsein und wurden erst mit dem Aufkommen des modernen Tourismus am Anfang/Mitte des 19. Jahrhundert wieder populär.

Bislang ging ich davon aus, dass der Deutsche Karl Baedeker (1801 – 1859) das Revival der Hotelsterne in der Neuzeit einleitete, als er ab 1844 begann in seinen berühmten roten Reisehandbüchern „die Gasthöfe und Restaurants, welche der Verfasser, sei es aus eigener Erfahrung, sei es auf Grund der zahlreichen, von Reisenden aller Nationen ihm eingesandten Hôtelrechnungen, für empfehlenswerth hält, mit einem * zu bezeichnen“.

Baedecker London 1887 - IIaus: Handbuch für Reisende in Deutschland und dem österreichischen Kaiserstaate, erfahren und erwandert von Karl Baedeker, 3. Aufl., Coblenz 1846

Die Reiseführer des legendären „Erbsenzählers“ – und das ist von mir alles andere als despektierlich gemeint – zeichnete eine bis dato nicht gekannte Genauigkeit, Übersichtlichkeit und Aktualität aus. Jules Verne erwähnte den Reisenden Baedeker gleich mehrfach in seinen Romanen und in Jacques Offenbachs Operette „La Vie Parisienne” heißt es sogar: „Kings and governments may err, but never Mister Baedeker.”

Aber geirrt habe wohl ich mich, als ich Karl Baedeker die alleinige Urheberschaft an den modernen Hotelsternen zuschrieb. Denn Baedeker verwendete zwar als erster in der Neuzeit Sterne zum Hervorheben von Beherbergungsbetrieben, doch die Engländerin Mariana Starke hatte schon 1820 in ihrem Reisebuch „Travels on the Continent: Written for the use and particular information of Travellers“ damit begonnen, Sehenswürdigkeiten, aber auch Hotels und Gasthöfe, zu empfehlen und zu kennzeichnen. Sie verwendete dafür in der Regel Ausrufezeichen von ! bis !!!!! und darf damit zurecht als Pionierin der Hotelklassifizierung gelten.”

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