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27.08.2022
Hotelführer

Europäische Kommission veröffentlicht Marktstudie über Vertriebspraktiken von Hotels

Die Europäische Kommission hat am 26. August die Ergebnisse einer externen Marktstudie über Vertriebspraktiken von Hotels in der EU veröffentlicht. In der im Jahr 2021 durchgeführten Marktstudie wird der Hotelvertrieb im Zeitraum 2017 bis 2021 anhand einer repräsentativen Stichprobe aus sechs Mitgliedstaaten (Belgien, Österreich, Polen, Schweden, Spanien und Zypern) untersucht.

Die Studie zielte darauf ab,

  • aktuelle Informationen über die Vertriebspraktiken von Hotels zu erhalten (das Europäische Wettbewerbsnetz (ECN) hatte 2016 eine ähnliche Monitoring-Maßnahme durchgeführt),
     
  • festzustellen, ob sich die Vertriebspraktiken der Hotels in den einzelnen Mitgliedstaaten unterscheiden
     
  • etwaige Änderungen dieser Praktiken im Vergleich zu den Ergebnissen des ECN-Monitorings von 2016 zu ermitteln;
     
  • herauszufinden, ob die Gesetze, die Online-Reisebüros die Anwendung weiter und enger Paritätsklauseln in Österreich und Belgien verbieten, zu Änderungen der Vertriebspraxis in diesen Mitgliedstaaten geführt haben. Paritätsklauseln hindern Hotels daran, auf anderen Vertriebskanälen bessere Konditionen als auf der Website des Online-Reisebüros, mit dem das Hotel einen Vertrag geschlossen hat, anzubieten. Weite Paritätsklauseln beziehen sich auf die Preise und andere Konditionen, die das Hotel auf allen anderen Vertriebskanälen anbietet. Enge Paritätsklauseln beziehen sich dagegen nur auf die Preise, die das Hotel auf seiner eigenen Website veröffentlicht.

Die wichtigsten Ergebnisse der Marktstudie

Die Ergebnisse der Marktstudie lassen im Vergleich zu 2016 keine wesentlichen Veränderungen der Wettbewerbssituation im Hotelvertrieb in der EU erkennen:

  •   Unabhängige Hotels erzielen 44 % ihrer Übernachtungsumsätze über Online-Reisebüros (OTA). Dies ist ein leichter Anstieg gegenüber 2016.
  •   Booking.com und Expedia sind nach wie vor die führenden OTA bei Hotelbuchungen, und es gibt keine Anzeichen für wesentliche Veränderungen bei den OTA-Marktanteilen oder für den Eintritt eines neuen Marktteilnehmers.  
  •   Die Provisionszahlungen der Hotels an OTA scheinen stabil geblieben oder leicht gesunken zu sein.
  •   Die Unterschiede der von den Hotels angebotenen Zimmerpreise und Verfügbarkeit scheinen geringer geworden zu sein. Dies ist sowohl im Hinblick auf das Angebot der Hotels auf den Websites verschiedener OTA als auch bei einem Vergleich zwischen den Websites der Hotels und jenen der OTA festzustellen.
  •   Einige OTA setzen offenbar kommerzielle Maßnahmen wie eine verbesserte/verminderte Sichtbarkeit auf der OTA-Website ein, um Anreize für Hotels zu schaffen, ihnen die besten Zimmerpreise und Konditionen zu bieten.
  •   Die relative Bedeutung von Hotelbuchungskanälen (online/offline, direkt/indirekt) unterscheidet sich in den einzelnen Mitgliedstaaten etwas, doch es scheint keine signifikanten Unterschiede bei den Bedingungen für den OTA-Wettbewerb zu geben.
  •   Die Gesetze in Österreich und Belgien, die die Anwendung weiter und enger Paritätsklauseln im Hotelgewerbe verbieten, haben offenbar keine wesentlichen Veränderungen der Vertriebspraktiken im Vergleich zu den anderen in der Studie untersuchten Mitgliedstaaten bewirkt.

Die Kommission konsultierte die nationalen Wettbewerbsbehörden der EU zum Konzept der Marktstudie und erörterte die Ergebnisse der Studie mit ihnen.

Nächste Schritte

Die Ergebnisse der Studie werden von der Kommission und den nationalen Wettbewerbsbehörden bei ihren laufenden Überwachungs- und Durchsetzungsmaßnahmen im Bereich des Vertriebs von Hotelübernachtungen berücksichtigt.

Das Gesetz über digitale Märkte („Digital Markets Act“), das voraussichtlich im Herbst in Kraft treten wird, könnte sich auch auf den Wettbewerb im Hotelvertrieb auswirken. Es soll sicherstellen, dass Plattformmärkte bestreitbar sind und Gatekeeper-Plattformen gewerblichen Nutzern faire Bedingungen bieten. Das Gesetz verbietet es Gatekeeper-Plattformen, weite oder enge Paritätsklauseln für den Einzelhandel oder gleichwertige kommerzielle Maßnahmen anzuwenden. Das Verfahren zur Benennung von Gatekeeper-Plattformen beginnt, sobald das Gesetz über digitale Märkte anwendbar wird, d. h. sechs Monate nachdem es in Kraft tritt.

Hintergrund

Der Vertrieb von Hotelunterkünften war in den letzten Jahren Gegenstand mehrerer kartellrechtlicher und legislativer Maßnahmen.

Seit 2010 haben mehrere nationale Wettbewerbsbehörden die Verwendung von Einzelhandelsparitätsklauseln in den Verträgen zwischen Online-Reisebüros und Hotels untersucht. Weite Einzelhandelsparitätsklauseln hindern das Hotel daran, auf anderen Vertriebskanälen günstigere Zimmerpreise oder eine größere Verfügbarkeit anzubieten. Enge Einzelhandelsparitätsklauseln ermöglichen es dem Hotel zwar, über andere OTA und im Offline-Vertrieb günstigere Zimmerpreise anzubieten, hindern es jedoch daran, auf seiner eigenen Website günstigere Preise zu veröffentlichen. Die von den französischen, italienischen und schwedischen nationalen Wettbewerbsbehörden angestrengten Untersuchungen führten dazu, dass Booking.com anbot, im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) seine weiten Einzelhandelsparitätsklauseln für einen Zeitraum von fünf Jahren in enge Paritätsklauseln zu ändern. Diese verbindlichen Zusagen wurden von den Wettbewerbsbehörden im April 2015 akzeptiert. Im August 2015 beschloss auch Expedia, im gesamten EWR statt seiner weiten Paritätsklauseln enge Klauseln anzuwenden. Im Dezember 2015 verbot das Bundeskartellamt die engen Paritätsklauseln von Booking.com. Nach Einlegung eines Rechtsmittels von Booking.com bestätigte der Bundesgerichtshof diese Entscheidung.

Zwischen 2015 und 2018 verabschiedeten Frankreich, Österreich, Italien und Belgien Gesetze, mit denen OTA die Anwendung von weiten und engen Paritätsklauseln im Hotelsektor verboten wurde.

2016 führten eine Gruppe von zehn nationalen Wettbewerbsbehörden und die Kommission eine Monitoring-Maßnahme zu Hotelbuchungen durch, um die Auswirkungen der aufgrund dieser regulatorischen Eingriffe vorgenommenen Änderungen der OTA-Paritätsklauseln zu messen.

Im Februar 2017 beschloss das ECN auf der Grundlage der Monitoring-Ergebnisse, mehr Zeit einzuräumen, damit die bereits angenommenen wettbewerbsrechtlichen Abhilfemaßnahmen Wirkung zeigen könnten, und die Wettbewerbssituation zu gegebener Zeit neu zu bewerten.

Booking.com und Expedia teilten der Kommission und den Wettbewerbsbehörden 2020 mit, dass sie bis mindestens Juni 2023 im gesamten EWR weiterhin keine weiten Paritätsklauseln anwenden würden.

Im Mai 2022 nahm die Kommission neue Leitlinien und eine neue Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vereinbarungen („neue Vertikal-GVO“) an, die einen geschützten Bereich („Safe-Harbour“) für bestimmte vertikale Vereinbarungen bietet. Weite Einzelhandelsparitätsklauseln, die von Online-Plattformen angewandt werden, sind vom Safe Harbour der neuen Vertikal-GVO ausgenommen. Andere Arten von Paritätsklauseln, einschließlich enger Einzelhandelsparitätsklauseln, profitieren jedoch weiterhin von dem geschützten Bereich. Die Vertikal-Leitlinien enthalten Erläuterungen für Unternehmen zur Anwendung der neuen Vertikal-GVO auf Paritätsklauseln und zur Bewertung von Paritätsklauseln in Einzelfällen, die nicht in den geschützten Bereich fallen. 

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