Distribution

19.09.2022
Hotelführer

Booking.com übernimmt Prüfung von Kreditkarten und Einzug von Stornierungsgebühren bei allen flexiblen Buchungen, die ohne Vorauszahlung direkt im Hotel bezahlt werden

Seit Anfang des Jahres bietet Booking.com in Deutschland mit dem Programm "Pay@Property" eine Lösung zur Prüfung von Kreditkarten und zum Einzug von Stornierungsgebühren bei Buchungen an, die ohne Vorauszahlung direkt im Hotel bezahlt werden. Anfangs konnten die Hotelpartner noch frei wählen, ob sie dieses neue Angebot nutzen. Seit Mai 2022 ist die Lösung in 18 europäischen Ländern der Standarddienst für Buchungen ohne Vorauszahlung (und Zahlung im Hotel) und ein Opt-out nicht mehr vorgesehen. Booking.com kündigte nun an, ab dem 27. September diese Lösung für alle flexiblen Buchungen ohne Vorauszahlung einzuführen.

Booking.com speichert und validiert dabei die Kreditkartendaten der Gäste, ohne sie an die Hotels zu senden. Im Falle einer Stornierung oder Nichtanreise berechnet Booking.com dem Gast den entsprechenden Betrag im Namen des Hotels und zieht die Gebühren für Stornierung bzw. Nichtanreise ein und gibt diese nach Abzug der Kommission über eine virtuelle Kreditkarte oder per Banküberweisung an das Hotel weiter. Ist der Gebühreneinzug ohne Erfolg, wird keine Kommission berechnet.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, Booking.com sei hier wirklich bemüht, die Hoteliers zu unterstützen und zu entlasten. Auf den zweiten Blick bleiben aber kritische Punkte festzuhalten:

  • Der Umstand, dass Booking.com den Hotels die „Last“ der Speicherung der Kreditkartendaten abnimmt, hat zur Folge, dass das Hotel gar keine Kreditkartendaten mehr von Booking.com erhält und die Hotels bei Stornierung oder Nichtanreise darauf hoffen müssen, dass Booking.com die offenen Beträge bei den Gästen einzieht und sich nicht im Sinne eines besseren Kundenservices gegen die Berechnung der Gebühren entscheidet.
     
  • Booking.com verwendet eine eigene interne Zahlungsplattform, um die Kartenvalidierung, die Datenspeicherung und falls erforderlich, das Inkasso zu verwalten. Hierzu hat Booking.com im Sommer 2021 extra eine neue interne FinTech-Geschäftseinheit gegründet, in der bis zu 400 Finanzexperten arbeiten sollen. Die Einheit fungiert als unabhängiges Unternehmen, das neue Produkte entwickelt, um die Effizienz zu steigern und „potenzielle neue Einnahmequellen“ für Booking zu schaffen.
     
  • Im Falle eines erfolgreichen Gebühreneinzugs zieht Booking.com den Betrag ein und die Zahlung der Gebühr erfolgt entsprechend der vom Partner getroffenen Auswahl bei Zahlungen nach Buchung, d. h. im Wege einer Banküberweisung oder mittels virtueller Kreditkarte (wöchentlich/monatlich). Die Gebühren für die virtuelle Kreditkarte sind allerdings deutlich höher als die Gebühren bei einer normalen Verbraucherkarte (Visa / Amex) und gehen direkt an die interne Zahlungsplattform von Booking.com (siehe vorheriger Punkt).  
     
  • Dafür, dass der Beherbergungsvertrag „nur“ zwischen dem Hotel und dem Gast geschlossen wird, mischt sich Booking noch intensiver in die direkten Prozesse zum Gast ein. 
     
  •  Es ist nunmehr kein Opt-out aus Pay@Property vorgesehen, die Hotels können sich lediglich dafür entscheiden, auf Vorauszahlung (direkt an das Hotel) umzustellen. In diesem Fall obliegt die Einhaltung der Vorgaben der PSD2-Richtlinie, insbesondere zur starken Kundenauthentifizierung, den Hotels.

Vertiefende Informationen zu dem Thema finden Sie auch in den Blogbeitragen Handel im Wandel - Teil I und Handel im Wandel - Teil II.

Die Blogposts des Hotelverbandes können Sie hier kostenfrei abonnieren: Blog abonnieren

Weitere
26.11.2022
Energie

Nach heftiger Kritik unter anderem des DEHOGA und des Hotelverbandes an der so genannten „Winterlücke“ soll die Gaspreisbremse für Haushalte und kleinere Unternehmen doch rückwirkend bereits ab Januar 2023 gelten. Das sieht der aktuelle Gesetzentwurf vor. Eine Änderung des Referenzzeitraums von Gas- und Strompreisbremse für die pandemiebetroffenen RLM-Kunden bleibt weiterhin erforderlich

26.11.2022
Wettbewerbsrecht

Die Europäische Kommission hat eine eingehende Untersuchung eingeleitet, um die geplante Übernahme der Flugo Group Holdings AB, die unter dem Namen „eTraveli“ auftritt, durch Booking Holdings („Booking“) auf der Grundlage der EU-Fusionskontrollverordnung zu prüfen. Die Kommission befürchtet, dass die geplante Übernahme es Booking ermöglichen würde, seine Stellung auf dem Markt für die Online-Unterkunftvermittlung zu stärken. Sowohl der Hotelverband Deutschland (IHA) als auch unser europäische Dachverband HOTREC haben umfassende Stellungnahmen abgegeben.

25.11.2022
Human Resources

Eine Gewährung von Kurzarbeitergeld (Kug) ausschließlich wegen aktueller Preissteigerungen, insbesondere bei Gas und anderen Energieträgern, ist nicht möglich.