Distribution

25.03 2021
Hotelführer

Vor- und Nachteile des neuen Tripadvisor plus-Programms für Hotels

Tripadvisor stellte Anfang März 2021 sein neues Abo-Programm Tripadvisor plus für Hotels vor. Das neue Programm wurde als starke Geste der Plattform gegenüber der Hotellerie präsentiert. Tripadvisor plus-Abonnenten, die eine Jahresgebühr von 99 Dollar zahlen, sollen direkt über die Plattform buchen können. Tripadvisor sammelt dabei die Kreditkartendaten der Gäste ein, schließt die Buchung auf Tripadvisor ab und übernimmt den Kundenservice, ohne dass Provisionsgebühren für Hoteliers anfallen. Für Tripadvisor kommen die Einnahmen über die bezahlten Abonnements von den Reisenden.

Allerdings müssen Hotels, die an dem Programm teilnehmen wollen, Preisnachlässe oder Gästevergünstigungen (wie z.B. Zimmer-Upgrades) gewähren, die Tripadvisor an die Plus Abonnenten weitergibt. Zudem kommt ein Teil des Drittanbieter-Inventars, das Tripadvisor im neuen Programm verwendet, von Amadeus und Sabre, und Hotels müssen diesen globalen Vertriebssystemen oft eine Buchungsgebühr zahlen. Obwohl Tripadvisor den Hotels für die Teilnahme am Plus Programm also keine direkten Provisionen berechnet, ist dieser Vertriebsweg nicht gänzlich ohne Kosten.

Positiv ist zu vermerken, dass es laut Aussagen von Tripadvisor für Hotels keine jährlichen Kontingent-Verpflichtungen und keine Last-Room-Availability-Anforderungen geben wird. Außerdem sollen sich die teilnehmenden Hotels jederzeit für oder gegen eine Rabattierung der Preise entscheiden können, wenn sich die Belegungssituation ändert.

Im Gegensatz zu traditionellen Online-Reisebüros, die Buchungen für Hotels entgegennehmen und im Wesentlichen die Kundendaten besitzen, gibt Tripadvisor Plus den Hotels Zugang zu den Daten der Buchenden, so dass die Hotels die Gästedaten für das eigene Marketing nutzen können.

Hotels, die sich bei Tripadvisor Plus anmelden, erhalten zudem Badges und eine erhöhte Sichtbarkeit auf der Plattform, was sie von der Konkurrenz abhebt und helfen soll, mehr Buchungen zu generieren.

Auf den ersten Blick mag Tripadvisor plus als willkommener Schritt für Hoteliers erscheinen, da es einen weiteren Kanal zur Vermarktung und zur Generierung provisionsfreier Buchungen bietet. Die Vorteile des Tripadvisor plus-Programms müssen aber dagegen abgewogen werden, was Tripadvisor von den Hotels im Gegenzug verlangt.

Um das Gasterlebnis zu verbessern, bittet Tripadvisor Hotels um die Freigabe, sich auf deren hoteleigenen Websiten bedienen zu dürfen. Gleichzeitig lädt Tripadvisor ein, die neuen AGB zu akzeptieren, damit Reisende künftig „besser und präziser“ über das Hotel informiert werden können. In den AGB findet sich unter Ziffer 1.2 folgende Regelung:

„Sie (= Hotel) gewähren hiermit Tripadvisor eine nicht exklusive, unentgeltliche, unbefristete, übertragbare, unwiderrufliche und uneingeschränkt unterlizensierbare  Lizenz für Ihre Marken und Materialien zur Nutzung im Zusammenhang mit allen Ihren Objekteinträgen oder in anderen in irgendeiner Weise mit Ihren Objekteinträgen verbundenen Formen von Online-Werbung auf Tripadvisor, bei seinen verbundenen Unternehmen und auf den Websites und Anwendungen von deren Partnern.“

Nach unserer Auffassung greifen die AGBs viel zu weit und wir können keinem Hotel raten, diese zu akzeptieren.

Die Garantie der Rechteeinräumung sollte kein Hotel abgeben, da die Häuser oft diese Rechte gar nicht haben. Zeitlich uneingeschränkt und unwiderruflich heißt über den Vertrag hinaus und käme markenschutzrechtlich einem Offenbarungseid gleich. Der Hotelverband rät daher, vor dem einfachen Klick zur Bestätigung die entsprechenden Inhalte immer sehr genau zu lesen und zu prüfen. Dies gilt umso mehr, wenn von „unwiderruflich“ und „uneingeschränkt“ die Rede ist.

Es bleibt zudem fraglich, ob die Distribution über Tripadvisor plus wirklich kostenlos ist, da sich die Hotels bereit erklären müssen, dem Unternehmen eine Art  "Bestpreisklausel" und Rabatte oder Vergünstigungen für Reisende zu gewähren, die Tripadvisor plus abonniert haben. Das Tripadvisor plus-Badge ist beispielsweise nur dann sichtbar, wenn der zur Verfügung gestellte Preis zu einem Rabatt von mindestens 75 Dollar oder mehr für den Aufenthalt führt. Schließlich werden auch die direkte Telefonnummer und die Website des Hotels nicht auf der Plattform angezeigt.

Trotz der Tatsache, dass die neuen Bedingungen von Tripadvisor als "optional" dargestellt werden und es für Hoteliers möglich sein soll, jederzeit ein- oder auszusteigen, wurde uns berichtet, dass das Opting-out in der Praxis kompliziert ist. Bei der Einführung des Systems wurden die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen den Hotels in einem Pop-out-Fenster präsentiert, in dem die einzige mögliche Aktion die "Annahme der Bedingungen" war. Es ist nur möglich auszusteigen, indem man direkt das Fenster in der oberen rechten Ecke schließt, bevor man auf die Schaltfläche "Akzeptieren" klickt.

Hotels, die die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen bereits akzeptiert haben, müssen auf das Management Center zugreifen, wo eine Schaltfläche zur Verfügung steht, um die Bedingungen explizit zu akzeptieren oder abzulehnen. Alternativ kann ein Hotel seinen Account Manager kontaktieren. 

Es lassen sich folgende Vor- und Nachteile zum Tripadvisor plus-Programm für Hotels zusammenfassen:

Pro:

  • Keine direkten Provisionen für Hotels
  • Keine Kontingent-Verpflichtungen
  • Keine Last-room-Availability
  • Hotels haben Zugriff auf Gästedaten und dürfen diese für eigenen Marketingaktionen verwenden
  • Höhere Sichtbarkeit auf der Tripadvisor-Plattform

Contra:

  • Die Garantie der Rechteeinräumung in den AGB greift viel zu weit, da die Häuser diese Rechte oftmals gar nicht haben
  • Höhere Sichtbarkeit muss über Rabatte oder Vergünstigungen für Reisende „erkauft“ werden
  • Hotels geben die Kontrolle über ihre Preispolitik und digitale Präsenz ab
  • Es ist schwierig für einen Hotelier, aus dem Programm auszusteigen

Über unseren europäischen Dachverband HOTREC werden wir uns in den kommenden Tagen mit Tripadvisor in Verbindung setzen, um das Tripadvisor plus-Programm und die neuen AGB zu besprechen und auf die Bedenken der Hotellerie hinzuweisen.

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