Corona-Krise

15.02 2021
Hotelführer

Aktueller Blogpost "#TestenTestenTesten" von Otto Lindner und Markus Luthe

Der Mittwoch-Gipfel der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsident*innen hat blankes Entsetzen und Wut in der Branche hinterlassen. Der ursprünglich mal als „Wellenbrecher“ im November des letzten Jahres angeordnete Lockdown wurde nicht nur wieder einmal unbestimmt verlängert, es wurde auch noch der seit Monaten zugesagte Exit-Referenzwert völlig überraschend gesenkt und ohne objektiv nachvollziehbaren Grund andere Branchen weiter vorne in der Warteschlange einsortiert.

Am frustrierendsten aber ist, dass die Runde der Hotellerie keinerlei Perspektive zurück ins Wirtschaftsleben eröffnet hat. Kein wie auch immer abgeleiteter Grenzwert ist mehr belastbar und kein Stufenplan schafft Vertrauen. Im Gegenteil: Die Bundeskanzlerin hat dann auch noch nachgekartet und touristische Übernachtungen endgültig in weite Ferne gerückt. Zitat: „… und dann eines Tages die Hotels“. Das hat schon der Wortwahl nach etwas von Märchenstunde.

Jetzt am Wochenende legt Sachsens Ministerpräsident Kretschmer noch nach, indem er jetzt schon den Osterurlaub in Deutschland absagt und erklärt „Reiseverkehr und Tourismus bereits im April sei Gift“. Obwohl ihm jegliche wissenschaftliche Anhaltspunkte dazu fehlen, holt er die große Keule raus und nimmt für sich in Anspruch „Wahrheiten“ auszusprechen. Rumms, postfaktische Horrorszenarien als Ersatz für zahlenbasiertes Führungsverhalten!

So bleibt Deutschland auf unabsehbare Zeit eines der Länder in Europa mit den strengsten Freiheitseinschränkungen und wird trotz aller Versprechungen noch viele Monate lang dem Virus leben müssen. So kann das nicht weitergehen! Die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung müssen ihren Umgang mit der Pandemie anpassen, anstatt seit 12 Monaten stur an den immer gleichen Rezepturen festzuhalten. Den einzigen Weg raus aus dem Dilemma und in einen halbwegs „normalen“ Alltag kann angesichts des Impfdebakels nur eine clevere Teststrategie sein. Doch auch auf dem Gebiet ist Deutschland ein Underperformer.

Kaum ein Land in Europa testet so zurückhaltend wie Deutschland. In Österreich dagegen werden zum Beispiel seit Januar FFP2-Masken in den Supermärkten zum Selbstkostenpreis abgegeben und seit Februar kann jedermann Antigen-Schnelltests gratis in den Apotheken durchführen lassen. Im Zuge des ausgeklügelten Testkonzepts sind in Österreich seit dem 8. Februar körpernahe Dienstleistungen wieder möglich und Einzelhandel, Museen und Tierparks geöffnet. In der nächsten Woche berät die österreichische Regierung, wann Hotels und Restaurants wieder an den Start gehen dürfen.

Davon ist Deutschland gedanklich, logistisch und behördlich bedauerlich weit entfernt. Was uns besonders bitter aufstößt sind die zwischen Regierungs-Rhetorik und tatsächlichem Verwaltungshandeln klaffenden existenzbedrohenden Lücken - nicht nur bei der vor Monaten versprochenen „außerordentlichen Wirtschaftshilfe“. Die Minister Altmaier und Scholz scheitern nach wie vor brutal an ihrem selbst formulierten Anspruch, dass „allen unbürokratisch, schnell und großzügig“ geholfen werden soll. Nur wer Krise kann, verdient auch eine Führungsrolle in der Politik.

Anfang März werden auch in Deutschland endlich bis zu 30 verschiedene Corona-Tests auf dem Markt sein, mit denen sich jede/r ohne medizinisches Fachpersonal binnen einer Viertelstunde selbst testen kann. Diese Selbsttest könnten zum Gamechanger beim Eindämmen der Pandemie und Wiedergewinnen persönlicher Freiheiten werden und auch in der Hotellerie breit zum Einsatz kommen. Wenn, ja wenn es diesmal mit Beschaffung, Logistik und Zulassungen endlich mal auf Anhieb reibungslos klappen würde…

Die Devise kann jetzt nur heißen: Testen, testen, testen!!! Es ist an der Zeit, die Bürger aktiv an der Bewältigung der Pandemie mitwirken zu lassen, anstatt sie zur Passivität zu verdammen.  Der Staat kriegt das offensichtlich alleine nicht gestemmt.

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